AfD-Politiker Tillschneider löst mit NS-Äußerungen bundesweite Empörung aus
Philipp KochAfD-Politiker Tillschneider löst mit NS-Äußerungen bundesweite Empörung aus
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hat mit Äußerungen zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus für Aufsehen gesorgt. Seine Aussagen stellen etablierte Positionen zur historischen Verantwortung und nationalen Identität infrage.
Kritiker verurteilten seine Worte umgehend als respektlos gegenüber den Opfern des NS-Regimes und als Schritt in die geistige Isolation. Tillschneider bezeichnete in seiner Rede die berühmte Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 als „geistige Kapitulation“. Er argumentierte, die Deutschen hätten sich im Nachhinein mit den alliierten Siegermächten solidarisiert, um Schuldgefühlen auszuweichen.
Zwar räumte er die Befreiung vom NS-Regime ein, deutete sie jedoch als Verlust – als „Preis für die Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Diese Wortwahl löste scharfe Kritik aus; Gegner warfen ihm vor, die Gräueltaten der NS-Zeit zu verharmlosen.
Der AfD-Politiker ging noch weiter und behauptete, wer die Befreiung nicht feiern könne, habe „nichts aus der Geschichte gelernt“. Zudem bezeichnete er das deutsche Geschichtsverständnis nach 1945 als „absurde Schuldkultur“ und „imaginäre Kollektivschuld“.
Tillschneider reduzierte die NS-Verbrechen auf „schlechte Führung an der Spitze“ – eine Aussage, die die Debatte weiter anheizte. Demokratische Werte zu übernehmen sei demnach nur ein Akt der Vermeidung, keine echte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Unter Berufung auf Franz Josef Strauß forderte er eine „normale deutsche Identität“, frei von „ewiger Buße“. Seine Äußerungen führten zu Vorwürfen, die AfD dränge Deutschland in die geistige Isolation und missachte das Gedenken an die NS-Opfer.
Tillschneiders Aussagen haben die Diskussion über das deutsche Geschichtsbewusstsein und die Haltung der AfD zur nationalen Identität neu entfacht. Seine Deutung der Befreiung als Verlust und seine Ablehnung kollektiver Schuld rücken die Partei erneut in den Fokus der Kritik. Im Mittelpunkt der Debatte steht nun, wie solche Positionen den öffentlichen Diskurs über Geschichte und Verantwortung prägen.






