Dänemarks Apothekenreformen: Mehr Zugang, härterer Wettbewerb und staatliche Kontrolle
Philipp KochDänemarks Apothekenreformen: Mehr Zugang, härterer Wettbewerb und staatliche Kontrolle
Dänemarks Apothekenbranche durchläuft tiefgreifende Veränderungen
In den vergangenen Jahren hat der dänische Apothekensektor weitreichende Umbrüche erlebt. Die Entscheidung der Regierung, den Markt zu liberalisieren, hat den Verkauf und den Zugang zu Medikamenten im ganzen Land neu geordnet.
Seit 2001 ist die Zahl der Apothekenbesitzer in Dänemark um ein Fünftel gesunken – von 220 auf 176. Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Apotheken, wobei viele ihren Betrieb eingeschränkt haben. Parallel dazu verzeichneten spontane Rezeptausgabestellen seit 2015 einen Anstieg um 68 %.
Die Regierung setzte auf Markliberalisierung statt auf die Stärkung bestehender Apotheken und führte gleichzeitig strengere wirtschaftliche Kontrollen ein. Dänische Apotheker verfügen heute über weniger Unabhängigkeit als ihre deutschen Kollegen, da der Staat die Einnahmen und Lizenzen streng reguliert. Bis Oktober 2025 plant Dänemark die Einrichtung von 300 Verkaufsstellen für rezeptfreie Medikamente und 350 Medikamentenabholstellen.
Der Wettbewerb im Bereich der rezeptfreien Arzneimittel hat sich verschärft: Rund 4.000 Einzelhandelsgeschäfte bieten mittlerweile nicht verschreibungspflichtige Medikamente an. Auch die Zahl der Apothekenfilialen stieg deutlich – von 76 auf 301 –, wodurch pharmazeutische Dienstleistungen erstmals in 40 Kleinstädte kamen. Seit Januar 2025 müssen Apotheken 490 Millionen dänische Kronen (rund 66 Millionen Euro) als langfristige „Branchenabgabe“ zurückzahlen.
Dr. Claus Pöhlmann hat in seiner Doktorarbeit untersucht, ob sich Dänemarks Reformen auf Deutschland übertragen ließen. Die Veränderungen haben zwar den Zugang zu Medikamenten verbessert, aber auch neue finanzielle und wettbewerbliche Herausforderungen geschaffen. Dänische Apotheken agieren heute in einem dichter regulierten und umkämpften Umfeld. Die langfristige finanzielle Belastung und der verschärfte Wettbewerb werden die Branche noch über Jahrzehnte prägen.






