10 May 2026, 22:03

Flaggenstreit 1926: Wie ein Symbol die Weimarer Republik spaltete

Deutsche Flagge über Text auf einem Plakat, wahrscheinlich mit Informationen über die Flagge.

Flaggenstreit 1926: Wie ein Symbol die Weimarer Republik spaltete

Der Flaggenstreit im Deutschland der Weimarer Republik erreichte 1926 seinen Höhepunkt und vertiefte die Gräben zwischen den politischen Lagern. Während das rechte Spektrum die kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot unterstützte, setzten sich Linke und Zentrum vehement für Schwarz-Rot-Gold als nationales Symbol ein. Der Konflikt wurde zum sichtbaren Zeichen der inneren Zerrissenheit des Landes in dieser unruhigen Phase.

Auch andere Nationen wie Frankreich, Kanada und das Vereinigte Königreich hatten Debatten über ihre Nationalflaggen geführt. Doch in Deutschland nahm die Auseinandersetzung besonders scharfe Züge an: Hier standen sich Patrioten und Befürworter alternativer Symbole wie der Regenbogenflagge unversöhnlich gegenüber.

Um den Streit beizulegen, wurde Edwin Redslob, der Reichskunstwart, mit der Aufgabe betraut, eine einheitliche Reichsflagge zu entwerfen. Er erhielt unzählige Vorschläge, doch eine Einigung blieb aus. Sein eigener Entwurf – ein rot-gelb gevierteltes Design mit einem schwarzen Balkenkreuz – fand keine Zustimmung.

Die Pattsituation hielt an, bis Reichpräsident Paul von Hindenburg am 5. Mai 1926 die Zweite Flaggenverordnung erließ. Dieser Erlass folgte einer Initiative des überparteilichen Reichskanzlers Hans Luther, der damit einem Antrag der Deutschen Volkspartei (DVP) nachkam. Die Partei forderte die Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben – wohlwissend, dass dies bei Linken und Zentrum auf scharfen Widerstand stoßen würde.

Die Verordnung selbst war ein Kompromissversuch: Sie bestimmte, dass deutsche diplomatische und konsularische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot mit kaiserlichen Farben im Oberliek) hissen sollten. Doch statt die Spannungen zu mildern, verschärfte die Regelung die bestehenden Konflikte. Die Rechte wertete sie als Teilerfolg, während sich Linke und Zentrum noch entschiedener hinter Schwarz-Rot-Gold stellten.

Was als Streit über Symbole begonnen hatte, entwickelte sich zu einem grundsätzlichen Identitätskonflikt. Der Flaggenstreit blieb ungelöst – ein Spiegel der tieferen Spaltungen in der Weimarer Gesellschaft.

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Die Verordnung von 1926 beendete den Konflikt nicht, sondern zementierte die politische Polarisierung. Im Ausland hängten diplomatische Vertretungen weiterhin zwei konkurrierende Versionen der Nationalflagge aus. Der Streit blieb ein Zankapfel und unterstrich die Instabilität der Weimarer Republik. Das Scheitern an einem gemeinsamen Symbol stand exemplarisch für die größeren Herausforderungen einer Nation, die noch immer nach Einheit suchte.

Quelle