Merz und Nagelsmann: Zwei Männer, ein Schicksal – Reformen und WM-Erfolg entscheiden über die Zukunft
Lara BauerMerz und Nagelsmann: Zwei Männer, ein Schicksal – Reformen und WM-Erfolg entscheiden über die Zukunft
Friedrich Merz’ Regierung steht unter Druck, vor der Sommerpause des Bundestags die versprochenen Reformen umzusetzen. Die politische Zukunft des Kanzlers könnte davon abhängen, ob er Fortschritte vorweisen kann – besonders mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen im Herbst. Gleichzeitig muss Nationaltrainer Julian Nagelsmann beim bevorstehenden WM-Turnier beweisen, dass er seinem Auftrag gerecht wird.
Merz hat weitreichende Reformen bei der Einkommensteuer, den Renten, der Pflegeversicherung und der Krankenkassenbeiträge angekündigt. Doch bereits bei der geplanten Erhöhung der BAföG-Fördersätze hat seine konservative Union einen Rückzieher gemacht. Kritiker werfen ihm vor, seine großen Ankündigungen blieben substanzlos, und sein redseliger Führungsstil steht zunehmend in der Kritik.
Am 1. Juli kommt die Bundesregierung zu einem Gipfel im Kanzleramt zusammen. Kann Merz bis dahin keine Handlungsfähigkeit seiner Regierung belegen, könnte seine Autorität nach den Herbstwahlen bröckeln. Die Geschichte zeigt, dass Fußball-WM-Turniere politisch günstige Gelegenheiten bieten: So wurden 2006 die Mehrwertsteuererhöhung und 2010 die Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung während des Turniers durchgesetzt.
Auch Nagelsmann sieht sich hohen Erwartungen ausgesetzt. Bis Mitte Juli muss er die Nationalmannschaft mindestens ins WM-Viertelfinale führen. Ein starker Auftritt könnte Merz’ Regierung kurzfristig Auftrieb geben – ein frühes Ausscheiden hingegen die öffentliche Stimmung gegen die Sparmaßnahmen weiter anheizen.
Beide Männer versuchen, an vergangene Erfolge anzuknüpfen: Merz setzt auf überholte Strategien, Nagelsmann auf ehemalige Fußballhelden. Ihre Schicksale könnten sich verflechten, denn schon früher profitierten Kanzler wie Adenauer, Kohl oder Merkel vom Fußballerfolg der Nationalmannschaft.
Wie weit Deutschland bei der WM kommt, könnte die Stimmung im Land und damit die politische Lage prägen. Gelingt ein gutes Abschneiden, gewinnt Merz möglicherweise Spielraum für seine Reformen. Scheitert die Mannschaft früh, dürften die sozialen Kürzungen seiner Regierung auf noch größeren Widerstand stoßen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Kanzler und Trainer die Erwartungen erfüllen können.






