17 March 2026, 06:02

Söder will SMR-Reaktoren in Bayern – Aiwanger hält sie für unrealistisch

Diagramm eines Blei-gekühlten schnellen Reaktorsystems, das den Reaktor, den Kühlturm, Rohre, Ventile und zugehörige Komponenten zeigt.

Aiwanger zweifelt den Nutzen von Söders Mini-Kernreaktoren an - Söder will SMR-Reaktoren in Bayern – Aiwanger hält sie für unrealistisch

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat vorgeschlagen, im Freistaat einen kleinen modularen Reaktor (SMR) zu errichten, um die langfristigen Energiebedürfnisse zu decken. Doch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger äußert erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit des Plans. Er argumentiert, dass Deutschland weder das Fachwissen noch die Infrastruktur besitze, um SMRs innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu entwickeln.

Stattdessen setzt sich Aiwanger für Gaskraftwerke als schnellere Lösung ein, um die Energieversorgung kurzfristig zu sichern.

Söders Vorstoß ist Teil einer breiteren Debatte über Kernenergie, wobei kleine modulare Reaktoren von manchen als mögliche Zukunftstechnologie gesehen werden. Länder wie Russland und China haben bereits SMRs in Betrieb genommen – Russlands schwimmendes Kernkraftwerk Akademik Lomonossow läuft seit 2020 in der Arktis, und Chinas Hochtemperaturreaktor HTR-PM ist ebenfalls aktiv. Andere Nationen wie Großbritannien, Tschechien, Polen, Frankreich und die USA befinden sich noch in der Entwicklungsphase und haben bisher keine funktionsfähigen SMRs.

Doch Aiwanger bleibt skeptisch. Er verweist auf große Hürden wie hohe Kosten, technische Rückschläge und regulatorische Herausforderungen. Der französische Energiekonzern EDF stoppte kürzlich sein Nuward-SMR-Projekt nach aufgetretenen Konstruktionsmängeln – ein Beispiel für die Risiken. Weitere Bedenken gelten Sicherheitsfragen durch die zunehmende Reaktoranzahl, Problemen bei der Abfallentsorgung und der fehlenden Kosteneffizienz ohne Massenproduktion.

Kritik übte Aiwanger auch an Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, die seiner Meinung nach die Energiedebatte unnötig verkompliziere. Neue Themen einzubringen, bevor aktuelle Probleme gelöst seien, bremse nur den Fortschritt. Zwar lehnt er Kerntechnologie grundsätzlich nicht ab, doch für Bayern und Deutschland hält er Gaskraftwerke für die pragmatischere Sofortlösung.

Der Minister betonte, dass weder Bayern noch Deutschland derzeit über das Know-how verfügten, um SMRs in absehbarer Zeit zu bauen. Ohne diese Fähigkeiten sieht er Söders Vision für das kommende Jahrzehnt als unrealistisch an.

Die Diskussion um SMRs in Bayern bleibt gespalten: Während Söder auf nukleare Innovation setzt, priorisiert Aiwanger Gaskraftwerke als schnelleren Ausweg. Weltweit verzögern technische, finanzielle und regulatorische Hindernisse die SMR-Entwicklung. Aiwanger konzentriert sich vorerst darauf, die Energieversorgung mit konventionellen Mitteln zu sichern – und stellt die Machbarkeit nuklearer Alternativen kurzfristig infrage.

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