29 June 2026, 20:02

Tempelhof oder ICC? Berlin sucht Interimsstandort für die Philharmonie bis 2032

Zu viel Hysterie!

Tempelhof oder ICC? Berlin sucht Interimsstandort für die Philharmonie bis 2032

Berlin diskutiert über ein vorübergehendes Domizil für die Philharmonie während der Sanierung 2032

Eine aktuelle Umfrage zeigt starke öffentliche Unterstützung für Tempelhof als bevorzugten Standort. Die Debatte entsteht zu einer Zeit, in der andere große Kultureinrichtungen mit eigenen Herausforderungen und Kontroversen kämpfen.

Die anstehende Sanierung der Berliner Philharmonie hat die Suche nach einem geeigneten Interimsstandort ausgelöst. Eine Umfrage des Portals BackstageClassical ergab, dass 66 Prozent der Befragten Tempelhof favorisieren, während nur fünf Prozent das ICC befürworten und 29 Prozent sich für völlig andere Standorte aussprechen. Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann äußerte sich jedoch skeptisch über die von der Stadt bevorzugte Lösung, das Internationale Congress Centrum (ICC). Unterdessen schlug das Magazin VAN Tempelhof als Alternative vor – mit geschätzten Kosten von über einer Milliarde Euro.

Auch anderswo ist die klassische Musikszene in Aufruhr. Die designierte Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser, Karin Bergmann, bot an, dessen geplante Konzerte zu übernehmen, doch eine Reaktion steht noch aus. Matthias Goerne sagte seine Auftritte in Israel ab, darunter eine Aufführung von Herzog Blaubarts Burg mit dem Israel Philharmonic Orchestra. John Eliot Gardiner geriet ebenfalls in die Kritik, und zwar wegen seines Verhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin beim Leipziger Bachfest; es gibt Forderungen, ihm künftige Bühnenauftritte zu untersagen.

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Die finanziellen und künstlerischen Herausforderungen mehren sich. Die Sanierungskosten des Salzburger Festspielleitungsgebäudes sind von 519 Millionen auf 635 Millionen Euro gestiegen. Tobias Kratzers Ring-Zyklus in München, einschließlich Die Walküre, erhielt hingegen durchweg begeisterte Kritiken. Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, plädierte kürzlich im BackstageClassical-Podcast für mehr Ernsthaftigkeit und eine tiefere Auseinandersetzung mit Musik.

Breitere Debatten prägen zudem die Kulturlandschaft. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda verteidigte in einer Diskussion der Süddeutschen Zeitung Michel Friedmans Positionen zur deutschen kulturellen Identität. Die Entscheidung des MDR, sein klassisches Radioprogramm auf DAB+ durch BR-Klassik zu ersetzen, löste öffentliche Besorgnis aus – manche fürchten einen kulturellen Niedergang. Zudem wurden die Social-Media-Auftritte großer Opernhäuser wie der Wiener und der Bayerischen Staatsoper dafür kritisiert, Ablenkung über Kontemplation zu stellen.

Während die Philharmonie noch keinen endgültigen Interimsstandort gefunden hat, kristallisiert sich Tempelhof als Favorit der Öffentlichkeit heraus. Unter Andrea Zietzschmanns Führung hat das Orchester neue Wege eingeschlagen, auch wenn ihr Vertrag möglicherweise nicht über 2028 hinaus verlängert wird. In der gesamten klassischen Musikszene ziehen sich derweil finanzielle, künstlerische und ethische Debatten wie ein roter Faden durch.

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