300 Gigawatt Solarstrom: Wie Deutschlands Straßen zur Energiequelle werden könnten
Finn Herrmann300 Gigawatt Solarstrom: Wie Deutschlands Straßen zur Energiequelle werden könnten
Deutschland könnte bis zu 300 Gigawatt Solarstrom erzeugen, indem es Photovoltaikanlagen entlang von Straßen und Autobahnen installiert. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) haben das enorme Potenzial dieser oft übersehenen Flächen berechnet. Die Ergebnisse zeigen eine große Chance, erneuerbare Energien auszubauen, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen.
Besonders vielversprechend sind die Straßenränder, die zwischen 24 und 48 Gigawatt liefern könnten – genug, um 16 Millionen Haushalte zu versorgen. Zum Vergleich: Die derzeitige Gesamtkapazität der in Deutschland installierten Photovoltaik liegt bei etwa 100 Gigawatt. Selbst vertikale Flächen wie Lärmschutzwände bieten erhebliches Potenzial mit Schätzungen zwischen 3,2 und 42 Gigawatt, wie das Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mitteilt.
Die Platzierung von Solarmodulen neben Straßen erweist sich als deutlich kostengünstiger als eine Überdachung. Die Kosten liegen nahe an denen herkömmlicher Solarparks, was das Konzept wirtschaftlich attraktiv macht. Zudem ermöglichen niedrigere Geschwindigkeitsbegrenzungen in bestimmten Bereichen leichtere und günstigere Konstruktionen, die sowohl die Ausgaben als auch die CO₂-Emissionen reduzieren.
Neben der Stromerzeugung bieten straßenbegleitende Photovoltaikanlagen praktische Vorteile: Sie spenden Schatten und verlängern so die Lebensdauer des Asphalts, schützen Radfahrer vor Regen oder Schnee und könnten den Strom für Tunnelbeleuchtung, Ladestationen und Rastplatzanlagen liefern. Seit Anfang 2023 gelten beschleunigte Genehmigungsverfahren für Autobahnen, was die Umsetzung erleichtert.
Ein Pilotprojekt wurde bereits in Freiburg realisiert: Das Fraunhofer ISE und der Energieversorger Badenova errichteten einen 300 Meter langen, mit Photovoltaik überdachten Radweg – die bisher einzige Anlage dieser Art in Deutschland.
Die Studie unterstreicht eine bisher kaum genutzte Ressource für erneuerbare Energien. Straßenbegleitende Photovoltaikanlagen könnten die aktuelle Solarkapazität Deutschlands verdreifachen und bieten zusätzliche Vorteile wie Kosteneinsparungen und Infrastruktur-Schutz. Mit den nun beschleunigten Genehmigungsverfahren dürfte die Weiterentwicklung dieser Systeme in den kommenden Jahren an Fahrt aufnehmen.






