Bayerische Politiker warnen vor dramatischen Folgen der Apothekenreform für lokale Versorgungsstrukturen
Finn HerrmannBayerische Politiker warnen vor dramatischen Folgen der Apothekenreform für lokale Versorgungsstrukturen
Die anhaltende Debatte über die Apothekenreform in Deutschland hat scharfe Kritik von bayerischen Politikern ausgelöst. Während auf Bundesebene weiterhin diskutiert wird, bleiben Reaktionen der Länder weitgehend undokumentiert – regionale Bedenken finden damit kaum Gehör. Zwei zentrale Stimmen aus Bayern, Carolina Trautner und Bernhard Seidenath, haben sich nun gegen die aktuellen Reformvorschläge ausgesprochen und warnen vor Risiken für lokale Apotheken und die Patientenversorgung.
Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im bayerischen Landesgesundheitsausschuss, betonte die Notwendigkeit stabiler und verlässlicher Apotheken vor Ort. Sie argumentiert, dass der wachsende Wettbewerb durch Online-Händler traditionelle Apotheken – insbesondere in ländlichen Regionen – bedrohe. Ohne stärkere finanzielle Unterstützung drohten durch wirtschaftliche Belastungen und übermäßige Bürokratie Versorgungsengpässe bei Medikamenten, so Trautner.
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, teilte diese Sorgen. Er forderte gleiche Regularien für Online- und stationäre Apotheken, vor allem bei der Kühlkette und der Dokumentation. Beide Politiker lehnen zudem Pläne ab, nach denen Pharmazeutisch-technische Assistenten Apotheken eigenständig führen dürfen – dies könnte ihrer Meinung nach die fachlichen Standards untergraben.
Ein zentraler Streitpunkt ist die festgelegte Rezeptgebühr, die derzeit unter den geforderten 9,50 Euro liegt. Seidenath unterstützte die Forderung der Apotheker nach einer Erhöhung und warnte, dass ohne diese Anpassung vor allem Apotheken in unterversorgten Regionen um ihre Existenz kämpfen müssten. Zudem erneuerte er seine Forderung nach einem Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten – eine Regelung, die in einigen EU-Ländern bereits gilt.
Die Diskussion offenbart Widersprüche bei der Anwendung der Arzneimittelvertriebsregeln für Großhändler, stationäre Apotheken und Online-Anbieter. Während auf Bundesebene, etwa in der für März 2026 geplanten Bundestagsanhörung, die Positionen der Beteiligten im Mittelpunkt stehen, fehlen öffentliche Stellungnahmen der Länder wie Bayern bisher in den Dokumenten.
Die Äußerungen der bayerischen Politiker unterstreichen die tiefgreifenden Bedenken gegenüber den möglichen Folgen der Reform für lokale Apotheken und die Arzneimittelversorgung der Patienten. Ohne Nachbesserungen – wie höhere Festbeträge oder strengere Regeln für den Online-Vertrieb – drohten ihrer Ansicht nach vor allem in ländlichen Gebieten erhebliche Versorgungsprobleme. Bisher hat die Bundesregierung diese regionalen Einwände in den dokumentierten Beratungen nicht aufgegriffen.






