01 February 2026, 04:01

Beton ohne CO₂: Wie Fraunhofer-Forscher den Baustoff revolutionieren wollen

Ein Betongebäude mit Graffiti, umgeben von Gras, Bäumen, Pfählen, Fahrzeugen auf der Straße, anderen Gebäuden, Hügeln und einem klaren blauen Himmel.

Beton ohne CO₂: Wie Fraunhofer-Forscher den Baustoff revolutionieren wollen

Forschende am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP arbeiten daran, die Betonproduktion in einen nahezu klimaneutralen Prozess zu verwandeln. Ihr Ziel ist es, die Kohlendioxid-Emissionen um mehr als zwei Drittel zu senken – ohne dabei Kompromisse bei der Festigkeit und Langlebigkeit des Materials einzugehen. Neue Projekte greifen dabei auf uralte Techniken zurück und verwerten Abfallstoffe, um umweltfreundlichere Alternativen zu schaffen.

Ein zentrales Vorhaben ist das Projekt RICIMER, das sich von römischem Beton inspirieren lässt. Die Wissenschaftler:innen kombinieren Asche aus Müllverbrennungsanlagen und industrielle Nebenprodukte, um Geopolymere herzustellen – Materialien, die durch ihre Korrosionsbeständigkeit, hohe Festigkeit und Brandschutzeigenschaften überzeugen. Diese Alternativen könnten herkömmlichen Zement ersetzen, ohne dass die Leistung darunter leidet.

Im Rahmen des Projekts LOCALAY entwickelt das Team CO₂-arme Bindemittel auf Basis regionaler Tone. Deutschland fördert jährlich 125 Millionen Tonnen Aushubmaterial – Ton ist somit ein leicht verfügbarer Ersatz für Klinker, den besonders emissionsintensiven Bestandteil von Zement. Durch die Reduzierung oder sogar den Verzicht auf Klinker lassen sich die Emissionen deutlich verringern.

Ein weiterer Ansatz setzt auf Biokohle, ein kohlenstoffreiches Material, das während der Herstellung mehr Kohlendioxid bindet, als es freisetzt. Wird sie zu Partikeln mit weniger als zwei Millimetern Größe zermahlen, kann sie Sand in Betonmischungen ersetzen. Das Ergebnis ist ein leichteres, nachhaltigeres Material mit geringerer Umweltbelastung.

Zusätzlich integriert das Team biogenen Kalk, um den Kohlendioxid-Fußabdruck weiter zu verkleinern. Diese Methode schont natürliche Ressourcen und verbessert gleichzeitig die Ökobilanz des Baustoffs.

Diese Innovationen könnten die Bauindustrie revolutionieren, indem sie die Kohlendioxid-Emissionen von Beton drastisch senken. Mit Abfallstoffen, Ton und Biokohle als Schlüsselkomponenten zielen die Lösungen darauf ab, Qualität zu erhalten und gleichzeitig die Branche nachhaltiger zu gestalten. Während Tests und Entwicklungen voranschreiten, rückt die großflächige Anwendung näher.