Bundesregierung plant strenge Regeln für medizinisches Cannabis und Online-Rezepte
Lara BauerBundesregierung plant strenge Regeln für medizinisches Cannabis und Online-Rezepte
Die deutsche Bundesregierung arbeitet an einem Gesetzesentwurf, der Online-Rezepte und den Versandhandel mit medizinischem Cannabis verbieten soll. Mit dem Vorhaben will die Regierung die Kontrolle über den Zugang von Patientinnen und Patienten zu dem Wirkstoff verschärfen. Fachleute und Branchenvertreter betonen zwar die Notwendigkeit strengerer Aufsicht, fordern jedoch gleichzeitig, den legitimen medizinischen Einsatz weiterhin zu ermöglichen.
Der geplante Gesetzesentwurf reagiert auf Bedenken hinsichtlich Missbrauchs und Abhängigkeitsrisiken im Zusammenhang mit Cannabis. Aktuell sind über 100.000 Patientinnen und Patienten auf medizinisches Cannabis angewiesen und berichten von einer verbesserten Lebensqualität innerhalb von sechs Monaten nach Behandlungsbeginn. Dennoch hat das Suchtpotenzial der Substanz zu Forderungen nach schärferen Regulierungen geführt.
Bei einer parlamentarischen Veranstaltung des Pharmakonzerns Stada diskutierten Verantwortliche, wie Zugang und Verantwortung in Einklang gebracht werden können. Frank Staud, Executive Vice President für Global Communications & Government Affairs bei Stada, unterstrich die Bedeutung klarer Vorschriften, um Missbrauch zu verhindern, ohne die Patientenversorgung zu gefährden.
Professor Dr. Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, argumentierte, die Debatte solle sich auf die medizinische Sorgfaltspflicht konzentrieren – und nicht auf die Legalisierung an sich. Er erkannte Cannabis zwar als valide Option in der Schmerztherapie an, bestand jedoch auf strukturierte Behandlungspläne, gründliche Diagnostik und regelmäßige Nachsorge. Zudem sprach sich Streeck für kontrollierte Abgabemodelle aus, um dem Freizeitkonsum zu begegnen, und verwies darauf, dass bereits rund fünf Millionen erwachsene Deutsche Cannabis nutzen.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Erstverordnungen von substanzabhängigkeitsgefährdenden Wirkstoffen nur nach persönlicher Arztkonsultation möglich sein sollen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, Therapieentscheidungen in den Händen von Fachärztinnen und Fachärzten zu belassen, um eine korrekte Dosierung und die Berücksichtigung von Gegenanzeigen zu gewährleisten.
Mit dem Vorhaben will die Regierung Missbrauch eindämmen, ohne den Zugang für Patientinnen und Patienten einzuschränken, die von medizinischem Cannabis profitieren. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde es die ärztlich geleitete Behandlung stärken und eine unkontrollierte Abgabe verhindern. Die mehr als 100.000 aktuellen Nutzerinnen und Nutzer stünden dann unter strengerer Aufsicht.






