CSU und SPD streiten erneut über Rückkehr zur Kernenergie und SMR-Reaktoren
Elias FrankeUnion und SPD uneins ├╝ber die R├╝ckkehr zur Kernenergie - CSU und SPD streiten erneut über Rückkehr zur Kernenergie und SMR-Reaktoren
Ein neuer Streit über die Nutzung der Kernenergie ist zwischen den Unionsparteien und der SPD entbrannt. Die CSU drängt auf den Bau kleiner modularer Reaktoren (SMR), während die Sozialdemokraten weiterhin strikt dagegen sind. Die Uneinigkeit droht nun die Verhandlungen über eine mögliche Koalitionsregierung zusätzlich zu erschweren.
Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Deutschland die Kernenergie wiederbeleben sollte – fast ein Jahrzehnt, nachdem der vollständige Ausstieg 2023 vollzogen wurde.
Die von Markus Söder geführte CSU fordert seit Langem den Bau neuer Atomkraftwerke und verweist dabei auf die Fortschritte Kanadas bei der SMR-Technologie. Allerdings handelt es sich bei der einzigen Anlage in Kanada, die in diesem Zusammenhang genannt wird, um einen 67 Jahre alten Forschungsreaktor – und nicht um ein kommerzielles Kraftwerk. Dennoch argumentieren Söder und seine Partei, Deutschland solle diesem Beispiel folgen, um die zukünftige Energieversorgung zu sichern.
CSU-Generalsekretär Martin Huber betonte die Notwendigkeit eines "klaren Bekenntnisses zu technologischer Offenheit und Grundlastfähigkeit", einschließlich SMR. Er warnte, die hohen Energiepreise in Deutschland schwächten die Wirtschaft, und forderte die Prüfung neuer Lösungen. Doch der SPD-Politiker Carsten Schneider wies die Idee umgehend zurück – mit Verweis auf Sicherheitsbedenken und wirtschaftliche Risiken.
Während der jüngsten Koalitionsgespräche fand die Atomkraft-Offensive der CSU weder bei der SPD noch bei der CDU Unterstützung. Zwar sprach sich CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche öffentlich für SMR aus, doch ihr SPD-Kollege Schneider entgegnete, die Kernenergie berge inakzeptable Risiken. Die Verhandlungen scheiterten schließlich ohne Einigung über eine Rückkehr zur Atomkraft.
Neben den politischen Gräben gibt es auch praktische Hindernisse. Deutschland verfügt über keine einheitlichen Zulassungsverfahren für SMR, da die Vorschriften je nach Region variieren und die Umsetzung erschweren. Explodierende Kapitalkosten – gestiegen um über 100 Prozent durch Inflation, Lohnkosten und Materialpreise – machen die Projekte zudem unwirtschaftlich. Internationale Experten weisen zudem auf strukturelle Barrieren hin, wie etwa eine Risikoaufschlag von 5,2 Prozent in Schwellenmärkten, die die Wettbewerbsfähigkeit der Kernenergie gegenüber erneuerbaren Energien weiter schwächt.
Deutschland hatte seine letzten Atomkraftwerke 2023 abgeschaltet – nach einem Bundestagsbeschluss von 2011, den die CSU damals noch mitgetragen hatte. Nun hat der Kurswechsel der Partei alte Konflikte wiederaufleben lassen, und die Zukunft der Kernenergie in Deutschland ist erneut ungewiss.
Die gescheiterten Koalitionsverhandlungen haben das Thema Atomkraft vorerst vom Tisch genommen. Ohne geschlossene Unterstützung stoßen die SMR-Pläne der CSU auf politischen Widerstand und wirtschaftliche Hürden. Für Deutschland zeigt die Debatte, wie tief die Spaltung in der Energiepolitik ist – und wie schwer es fällt, Innovation mit langjähriger Ablehnung in Einklang zu bringen.






