26 April 2026, 14:08

Das verhängnisvolle Versagen: Wie Kölns Historisches Archiv 2009 in sich zusammenstürzte

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Masten, Rauch, einen Hügel im Hintergrund und Text am unteren Rand zeigt.

Das verhängnisvolle Versagen: Wie Kölns Historisches Archiv 2009 in sich zusammenstürzte

Eine der verheerendsten Katastrophen Kölns ereignete sich 2009, als das Historische Archiv der Stadt während U-Bahn-Bauarbeiten einstürzte. Das Gebäude beherbergte 1,7 Millionen historische Dokumente, einige davon über tausend Jahre alt. Bei dem Unglück kamen zwei Menschen ums Leben, und benachbarte Kirchen wie die Kirche St. Johann Baptist erlitten schwere Schäden – ihr Turm neigte sich bedrohlich zur Seite.

Der Einsturz ereignete sich, nachdem kritische Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die trotz fehlender Erfahrung mit solchen Projekten die Bauaufsicht innehatten, trugen eine Mitschuld an der Tragödie. Nach dem Einsturz durchsuchten Rettungskräfte monatelang die Trümmer nach Dokumentenfragmenten, die später in 20 Notarchiven verteilt wurden.

2018 verurteilte das Landgericht Köln den Bauleiter und den Oberbauleiter wegen ihrer Verantwortung für den Einsturz. Doch der Bundesgerichtshof hob die Urteile später wegen Verfahrensfehlern auf. Bis August 2024 wurden die Ermittlungen gegen Zahlung von Geldstrafen eingestellt – die verbliebenen Angeklagten tragen nur noch eine "mittelbare" Verantwortung.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Spuren der Katastrophe sind bis heute sichtbar: Die Baustelle wirkt wie eine offene Wunde, teilweise mit Beton verfüllt und von Gestrüpp überwuchert. Experten schätzen, dass die Rettung der geretteten Dokumente bis 2050 dauern wird – etwa ein Drittel des Bestands gilt als unwiederbringlich verloren.

Die Katastrophe zerstörte Jahrhunderte der schriftlichen Geschichte Kölns und hinterließ tiefe Narben in der Stadt. Zwar wurde vor Gericht nach Verantwortlichen gesucht, doch das juristische Verfahren endete ohne vollständige Aufarbeitung. Die Restaurierung der erhaltenen Dokumente geht weiter, doch die Schäden an Kulturerbe und Infrastruktur bleiben unumkehrbar.

Quelle