Europa setzt auf Klimaziele – während die USA zwischen Rückzug und Engagement schwanken
Finn HerrmannEuropa setzt auf Klimaziele – während die USA zwischen Rückzug und Engagement schwanken
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Vereinigten Staaten und die Europäische Union in der Klimapolitik deutlich unterschiedliche Wege eingeschlagen. Während Washington sich aus internationalen Abkommen zurückzog, trieb Brüssel strenge Ziele und marktbasierte Lösungen voran. Mit jedem politischen Wechsel auf beiden Seiten des Atlantiks wurde der Kontrast deutlicher.
Die Spaltung begann 2001, als Präsident George W. Bush sich weigerte, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren. Fünfzehn Jahre später führte die Wahl Donald Trumps 2016 zum Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen. Nun schlägt Trump vor, das UN-Rahmenübereinkommen zum Klimawandel von 1992 vollständig aufzuheben.
Unterdessen hat die EU eine Reihe verbindlicher Maßnahmen umgesetzt. Die jüngsten Ziele umfassen eine Reduktion der Emissionen um 90 Prozent bis 2040 und Klimaneutralität bis 2050. Instrumente wie der EU-Emissionshandel mit einem Mindestpreis für CO₂ und der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), der ab 2026 greift, untermauern diese Vorhaben. Der Europäische Green Deal fördert zudem erneuerbare Energien, Elektromobilität und nachhaltige Energieversorgung.
Die Kosten für Wind- und Solarenergie sind so stark gesunken, dass sie fossile Brennstoffe und Atomkraft inzwischen oft unterbieten. Dieser Wandel bringt wirtschaftliche Vorteile mit sich und stärkt gleichzeitig die Energiesicherheit. Dennoch tun sich einige Branchen, insbesondere die chemische Industrie, schwer mit der Anpassung und halten an veralteten Praktiken fest, statt zu innovieren.
Experten warnen davor, kostenlose CO₂-Zertifikate zu vergeben, da dies den Emissionshandel schwächen würde. Zudem raten sie Europa, sich nicht auf verflüssigtes Erdgas aus den USA zu verlassen. Trotz der Rückschritte auf Bundesebene in Amerika setzen viele Bundesstaaten und Städte ihre eigenen Klimainitiativen fort.
Der EU-Ansatz hat über 20 Jahre hinweg stetige Fortschritte gebracht – selbst als die US-Politik zwischen Rückzug und Engagement schwankte. Da erneuerbare Energien mittlerweile günstiger und sauberer sind, wird der wirtschaftliche Anreiz für die Energiewende immer stärker. Europas nächste Herausforderung besteht darin, den Schwung zu halten, die Energieversorgung unabhängig zu gestalten und den CO₂-Markt robust zu erhalten.






