17 March 2026, 00:01

Falsche Vergewaltigungsvorwürfe nach Oktoberfest: Wie eine Lüge viral ging

Schwarzes und weißes Plakat mit der Aufschrift "Vergewaltigung auf Vergewaltigung oder die Gerechtigkeit, die in ihrer eigenen Falle gefangen ist" in fetter schwarzer Schrift, wahrscheinlich Ankündigung einer Comedy-Show.

Falsche Vergewaltigungsvorwürfe nach Oktoberfest: Wie eine Lüge viral ging

Ein viral gegangener Artikel der Plattform Truth24 behauptete, eine US-Amerikanerin sei nach dem Oktoberfest in München von einem "afrikanischen Mob" vergewaltigt worden. Die Geschichte verbreitete sich rasant in sozialen Medien und wurde auf Facebook über 1.700 Mal geteilt. Spätere Ermittlungen ergaben jedoch keinerlei Belege für die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft München prüfte den Fall und bestätigte, dass weder eine Vergewaltigung noch eine Gruppenvergewaltigung stattgefunden habe. Laut Polizeibericht wurde zwar ein Fall sexueller Nötigung registriert, doch das Opfer konnte sich nicht an den Vorfall erinnern und lehnte eine medizinische Untersuchung ab. Alle Verdächtigen wurden auf freien Fuß gesetzt, die Frau kehrte in die USA zurück.

Der Truth24-Artikel enthielt zudem pauschale Behauptungen, wonach Gruppenvergewaltigungen "vorwiegend von Muslimen und Afrikanern" begangen würden. Die Polizeistatistik von 2017 zeigt jedoch, dass Deutsche fast die Hälfte aller Tatverdächtigen in solchen Fällen stellten – die größte Einzelgruppe. Zwar waren 54,8 Prozent der Verdächtigen nicht deutscher Herkunft, doch dies hängt mit Faktoren wie Alter oder sozialer Lage zusammen – nicht mit Religion oder Herkunft.

Zudem bezog sich der Artikel auf eine nicht existente Straftatkategorie namens "Angriffsvergewaltigungen". Tatsächlich ergaben die 2017er Daten zu "vergewaltigungsähnlichen Sexualdelikten" (ein anerkannter Begriff), dass 54,9 Prozent der EinzelTäter deutscher Nationalität waren. Keine offiziellen Statistiken stützen die Behauptung, dass bestimmte Nationalitäten bei Gruppenvergewaltigungen überrepräsentiert seien.

Der Fall verdeutlicht, wie sich unbelegte Behauptungen im Netz rasant verbreiten können. Die Behörden fanden keine Hinweise auf die angebliche Gruppenvergewaltigung, und die Erinnerungslücken des Opfers ließen zentrale Fragen offen. Auch die offiziellen Kriminalstatistiken widerlegen die pauschalen Aussagen des Artikels über die Täterhintergründe.

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