Fünf neue Traditionen werden zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands ernannt
Philipp KochFünf neue Traditionen werden zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands ernannt
Fünf neue Traditionen sind in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen worden. Dazu zählen die Straßenfußballkultur, das maßgeschneiderte Herren-Schneiderhandwerk sowie die Martinsbräuche im Rheinland. Damit steigt die Zahl der anerkannten Bräuche und Praktiken auf insgesamt 173 in ganz Deutschland.
Das Verzeichnis würdigt lebendige kulturelle Ausdrucksformen, die von Gemeinschaften aktiv bewahrt und an künftige Generationen weitergegeben werden. Vertreter der Kulturpolitik betonten, wie solche Traditionen die heutige Identität prägen und gleichzeitig Kreativität sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.
Deutschland trat 2013 dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes bei. Das Abkommen, das 2003 in Paris beschlossen wurde, ist mittlerweile von 185 Staaten ratifiziert worden. Sein Ziel ist es, kulturelle Praktiken zu schützen und zu fördern, die für Gemeinschaften identitätsstiftend sind.
Die neuesten Eintragungen spiegeln die Vielfalt des deutschen Kulturlebens wider: Die Bolzplatzkultur – der Straßenfußball auf öffentlichen Plätzen – wurde ebenso aufgenommen wie das Handwerk der Maßschneider (Herrenschneiderhandwerk). Hinzu kommen die Martinsbräuche im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten sowie der kleinteilige Küstenfischfang in der Ostsee und den Boddengewässern.
Bevor eine Tradition in das Verzeichnis aufgenommen wird, durchläuft sie ein strenges Prüfverfahren. Zunächst begutachtet das Fachkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission jeden Vorschlag. In einem mehrstufigen Auswahlprozess wird anschließend entschieden, welche Bräuche und Praktiken in das nationale Register aufgenommen werden.
Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, bezeichnete das immaterielle Kulturerbe als die "lebendige Wurzel" moderner kultureller Identität. Katharina Binz, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, ergänzte, dass Traditionen dann gedeihen, wenn sie im Alltag der Menschen lebendig gehalten werden. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, verwies darauf, dass solches Erbe dort entsteht, wo Gemeinschaften Wissen teilen und Praktiken gemeinsam gestalten.
Das aktualisierte Verzeichnis umfasst nun 173 kulturelle Praktiken aus allen Regionen Deutschlands – von regionalen Festen über handwerkliche Traditionen bis hin zu sportlichen Bräuchen. Die Verantwortlichen unterstreichen, dass die Anerkennung dazu beiträgt, ihre Weitergabe und Anpassung durch kommende Generationen zu sichern.






