Geisterparade in Köln feiert 35 Jahre mit Protest und Karnevalsflair
Philipp KochGeisterparade in Köln feiert 35 Jahre mit Protest und Karnevalsflair
Kölner Geisterparade feiert 35. Jubiläum mit Protest und Karnevalsstimmung
Mit einer bunten Mischung aus politischem Aktivismus und dem berühmten Kölner Karnevalsgeist hat die Geisterparade ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert. Tausende zogen durch die Straßen und verbanden gesellschaftskritische Themen mit ausgelassener Feierlaune. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die Wohnungsnot in Köln – eine Tradition, bei der die Parade seit jeher aktuelle soziale Missstände aufgreift.
Der Kölner Geisterzug, wie die Veranstaltung lokal genannt wird, begann 1991 als Friedensdemonstration. Über die Jahrzehnte hat er sich zu einem festen Bestandteil des Kölner Straßenkarnevals entwickelt und passt sein Motto jährlich den aktuellen Geschehnissen an. In diesem Jahr lautete es: "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Dom schlofe" – ein dringender Appell für eine bessere Wohnraumpolitik.
Verkleidet als Geister, Hexen und Fabelwesen setzten viele Teilnehmer das Wohnungsthema kreativ um: Manche trugen Miniaturhäuser als Kopfbedeckung, andere demonstrierten mit Plakaten gegen Mietpreiserhöhungen. Ein riesiger, durchsichtiger Tintenfisch aus Plastikflaschen und -deckeln zog als Mahnmal für Umweltschutz durch die Straßen.
Besondere Aufmerksamkeit erregten die Schnappviecher – überdimensionale Tierfiguren mit klappernden Mäulern und scheppernden Glocken. An der Spitze des Zuges marschierte Erich Hermans, Mitbegründer des Vereins Ähzebär un Ko e.V., verkleidet als Ähzebär und spielend auf einem selbstgebastelten Rummelpot-Instrument.
Den Abschluss bildeten Feiern im Kölner Kulturzentrum Odonien, wo Live-Musik und Bühnenauftritte den Abend ausklingen ließen.
Die 35. Geisterparade unterstrich einmal mehr ihre Doppelfunktion als politische Kundgebung und Karnevalshöhepunkt. Durch die Verbindung von Aktivismus und Kreativität bot sie den Teilnehmern eine Plattform, um sich für bezahlbaren Wohnraum, Frieden und Umweltschutz einzusetzen. Die Tradition bleibt ein fester Bestandteil des Kölner Kulturkalenders – jedes Jahr mit neuen Themen und frischem Elan.