04 April 2026, 22:02

Kemptens Stadtrat ringt um MVV-Beitritt vor entscheidender Förderfrist

Zwei grüne und weiße Straßenbahnen auf einer Stadtstraße mit hohen Gebäuden, Fahrzeugen, Fußgängern, Ampeln und Bäumen unter einem bewölkten Himmel.

Kemptens Stadtrat ringt um MVV-Beitritt vor entscheidender Förderfrist

Der Stadtrat von Kempten steht kurz vor einer Entscheidung über den Beitritt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). Die Debatte hat an Fahrt aufgenommen, da die Verantwortlichen die Vor- und Nachteile einer Integration abwägen. Eine wichtige Frist rückt näher: Bis Ende des Jahres müssen staatliche Fördergelder für das Projekt gesichert werden.

Die Diskussion gewann an Bedeutung, nachdem Dr. Richard Schießl, der Wirtschaftsreferent der Stadt Kempten, mögliche Optionen für einen MVV-Beitritt vorstellte. Einer der Vorschläge sah ein 365-Euro-Jahresticket für Studierende und Auszubildende vor. Oberbürgermeister Thomas Kiechle sicherte zu, mit dem Verkehrsministerium einen Zeitplan zu verhandeln, um die Förderfrist bis Jahresende einzuhalten.

Im Stadtrat wurden jedoch Bedenken geäußert. Die parteilose Stadträtin Tatjana Preuß warnte, Kempten könnte die Kontrolle über die Tarifgestaltung und seinen Einfluss im Verbund verlieren. Helmut Berchtold (CSU), der auch als lokaler Busunternehmer tätig ist, zweifelte daran, dass alle notwendigen Details bis zur Frist geklärt werden können. Der stellvertretende Bürgermeister Klaus Knoll (FW-ÜP) unterstützte zwar den Plan, hinterfragte aber, wie Semester- und Jobtickets im neuen System funktionieren sollen.

Erfahrungen anderer bayerischer Städte im MVV-Netz – wie Augsburg, Ingolstadt und Landshut – zeigen, dass der Beitritt zwar zu höheren Ticketpreisen führte, gleichzeitig aber mehr Flexibilität bot. So stieg etwa der Preis für das Augsburger Semesterticket von rund 200 Euro lokal auf 300 bis 350 Euro im MVV. Trotz der Kostensteigerung nahm die Nutzung deutlich zu. Thomas Hartmann von den Grünen betonte, es gehe vor allem darum, ein zuverlässiges und zugängliches Verkehrssystem zu schaffen – und nicht allein um Kostensenkungen.

Der Stadtrat strebt an, die Bedingungen für einen möglichen MVV-Beitritt bis Jahresende final zu klären. Bei einer Zustimmung hätte Kempten Zugang zu einem größeren Verkehrsnetz, müsste aber möglicherweise höhere Fahrpreise und weniger lokale Entscheidungshoheit in Kauf nehmen. Das Ergebnis hängt von den laufenden Gesprächen mit dem Verkehrsministerium und der rechtzeitigen Sicherung der Fördermittel ab.

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