20 February 2026, 20:02

Merz entfacht Debatte über Europas nukleare Zukunft ohne US-Schutzschirm

Eine Karte, die die 73-jährige Erweiterung der North Atlantic Treaty Organization (NATO) von 1949 bis heute zeigt, mit farblich kodierten Regionen nach Jahren und informativem Text oben.

Merz entfacht Debatte über Europas nukleare Zukunft ohne US-Schutzschirm

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit einer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Debatte über Europas nukleare Verteidigung neu entfacht. Dabei gab er Gespräche mit dem französischen Präsidenten über eine Stärkung der europäischen Abschreckung zu, räumte jedoch gleichzeitig erhebliche Hindernisse für ein eigenständiges Arsenal ein.

Die Diskussion gewinnt an Brisanz, da Zweifel an der Verlässlichkeit der USA unter einer möglichen zweiten Amtszeit von Donald Trump wachsen – trotz der fortgesetzten Unterstützung Washingtons für die nukleare Teilhabe der NATO in Europa.

Merz argumentierte, dass Deutschland und andere nicht-nukleare EU-Staaten ohne den atomaren Schutzschirm der USA keine volle Souveränität erreichen könnten. Er betonte, dass die Abhängigkeit von amerikanischen Waffen für das Machtgleichgewicht innerhalb des westlichen Bündnisses unverzichtbar bleibe. Noch immer lagern rund 100 taktische US-Atombomben in Europa – ein Relikt aus den Abkommen des Kalten Krieges.

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Auf der Konferenz 2025 bekräftigten US-Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio das Engagement Washingtons für die Abschreckungsstrategie der NATO. Als Beleg für Europas Schutzbedarf vor russischen Bedrohungen verwiesen sie auf den anhaltenden Ukraine-Krieg. Dennoch bleiben angesichts des Auslaufens des New-START-Vertrags im Februar 2026 Bedenken über die langfristige Bindung der USA – auch wenn bisher keine Rückzugspläne bekannt gegeben wurden.

Der Kanzler räumte ein, dass die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Atomstreitmacht auf unüberwindbare Hindernisse stößt. Frankreich und Großbritannien, die einzigen Atomstaaten des Kontinents, haben wiederholt eine Übertragung der Kontrolle über ihre Arsenale an EU-Institutionen abgelehnt. Auch in Deutschland würden rechtliche, politische und gesellschaftliche Widerstände jeden Versuch blockieren, eigene Nuklearwaffen zu entwickeln.

Fachleute sind sich einig, dass eine "Europäisierung" der bestehenden Arsenale undurchführbar ist. Paris und London behalten die strikte nationale Kontrolle über ihre Nuklearcodes und schließen damit eine gemeinsame EU-Führung aus. Gleichzeitig wäre Deutschlands Weg zur Bewaffnung mit Atomwaffen mit verfassungsrechtlichen Verboten, gesellschaftlichem Widerstand und bürokratischen Hürden gepflastert.

Die Debatte unterstreicht Europas Abhängigkeit von den US-Atomgarantien und legt gleichzeitig tiefe Gräben über eine gemeinsame Abschreckung offen. Deutschlands Handlungsmöglichkeiten bleiben begrenzt – eine realistische Alternative zur Stationierung amerikanischer Waffen gibt es nicht. Vorerst bleibt das NATO-Modell der nuklearen Teilhabe bestehen. Doch seine Zukunft hängt von der künftigen US-Politik und Europas Fähigkeit ab, die eigenen Sicherheitslücken zu schließen.