Merz sorgt mit umstrittenen Aussagen zu Rückkehr syrischer Geflüchteter für Eklat
Elias FrankeMerz sorgt mit umstrittenen Aussagen zu Rückkehr syrischer Geflüchteter für Eklat
Bundeskanzler Friedrich Merz hat kürzlich mit einer kühnen Aussage über syrische Geflüchtete für Aufsehen gesorgt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa erklärte Merz, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Äußerung löste umgehend Kritik aus und führte zu Klarstellungen beider Seiten.
Aktuell leben rund eine Million Syrer in Deutschland – Merz' Ankündigung würde damit die Rückführung von etwa 800.000 Menschen bedeuten.
Die Aussage fiel während eines gemeinsamen Auftritts von Merz und al-Sharaa. Der syrische Politiker schlug vor, dass großangelegte westliche Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung in Syrien die Voraussetzungen für Rückkehr schaffen könnten. Später relativierte al-Sharaa jedoch Merz' 80-Prozent-Ziel: Er habe keine solche Vorgabe gemacht, betonte er, und Rückkehr müsse freiwillig und würdevoll erfolgen.
Bis Dienstag ruderte Merz bereits zurück. Die 80-Prozent-Marke sei vom "syrischen Präsidenten genannt worden", erklärte er und distanzierte sich damit von seiner ursprünglichen Aussage. Auch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung passte seine Formulierung an und stellte klar, dass es sich um eine Wunschvorstellung al-Sharaas handele – nicht um deutsche Politik.
Kritik kam prompt aus den Reihen von Merz' eigener Koalition. Die SPD-Politiker Ralf Stegner und Anke Rehlinger sowie die Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg lehnten die Idee öffentlich ab. Ihre Bedenken gelten vor allem der Machbarkeit und der ethischen Vertretbarkeit einer Massenrückführung.
Offizielle Zahlen zeigen, dass seit 2011 zwischen 20.000 und 30.000 syrische Geflüchtete die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Anfang 2025 lag die Zahl bei etwa 25.000, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mitteilt.
Die Kontroverse unterstreicht die Spannungen in der deutschen Flüchtlingspolitik. Zwar haben einige Syrer die Staatsangehörigkeit erworben, doch die Mehrheit lebt weiterhin in rechtlicher Unsicherheit. Die Debatte über Rückkehr bleibt ungelöst – eine klare Perspektive ist nicht in Sicht.
Merz' schwankende Haltung und der Widerstand aus den Koalitionsreihen deuten darauf hin, dass das Thema politisch weiter brisant bleiben wird.






