Mittlere Einkommen legen stärker zu – Lohnschere in Deutschland wird kleiner
Lara BauerMittlere Einkommen legen stärker zu – Lohnschere in Deutschland wird kleiner
Löhne in Deutschland haben sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar verändert. Während Spitzenverdiener und Hochschulabsolventen nur moderate Zuwächse verzeichneten, profitierten Beschäftigte mit mittlerem Einkommen von einem stärkeren Wachstum. Auch die Kluft zwischen Hoch- und Niedriglöhnen hat sich verringert, wie aktuelle Daten zeigen.
Zwischen 2023 und 2025 stieg der durchschnittliche Stundenlohn von Akademikern von 30,02 Euro auf 30,92 Euro. Dieser Anstieg fiel im Vergleich zu anderen Gruppen jedoch eher gering aus. Insgesamt erhöhten sich die Bruttostundenlöhne aller Arbeitnehmer im Schnitt um 3,9 Prozent und erreichten 25,88 Euro.
Spitzenverdiener verzeichneten ein Plus von 3,7 Prozent bei ihren Gehältern. Mittlere Einkommensgruppen konnten dagegen mit einem deutlichen Zuwachs von 5,2 Prozent rechnen. Auch Beschäftigte ohne berufliche Qualifikation profitierten – ihr Lohn stieg auf 18,05 Euro pro Stunde.
In den letzten fünf Jahren haben Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung ein stetiges, wenn auch moderates Lohnwachstum erlebt. Ihr medianer Stundenlohn erhöhte sich von 18,50 Euro im Jahr 2020 auf 21,20 Euro in 2025. Hochschulabsolventen verzeichneten dagegen größere Steigerungen: Ihre Löhne stiegen im gleichen Zeitraum von 25,80 Euro auf 29,50 Euro.
Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten ist deutlich gesunken, was zu einer geringeren Lohnungleichheit beiträgt. Dennoch warnt der IAB-Ökonom Enzo Weber, dass attraktive Einstiegsgehälter jüngere Arbeitnehmer davon abhalten könnten, eine Berufsausbildung zu beginnen. Aktuell verfügen noch 13 Prozent der unter 35-Jährigen über keinen beruflichen Abschluss.
Die aktuellen Lohntrends zeigen eine schrumpfende Schere zwischen Hoch- und Niedrigverdienern. Besonders Beschäftigte mit mittlerem Einkommen und solche ohne formale Qualifikation konnten die stärksten Zuwächse verbuchen. Dennoch bleiben Bedenken, ob die langfristigen Auswirkungen auf die Bereitschaft junger Arbeitnehmer, eine Berufsausbildung zu absolvieren, negativ ausfallen könnten.