19 March 2026, 10:02

Münchens Zukunft steht zur Wahl: Pragmatismus oder radikaler Wandel?

Schwarzes und weißes Foto einer belebten Münchner Stadtstraße mit Fußgängern, Fahrzeugen und Gebäuden, Bäumen im Hintergrund und Text unten.

Münchens Zukunft steht zur Wahl: Pragmatismus oder radikaler Wandel?

Münchens Oberbürgermeister-Stichwahl: Zwei gegensätzliche Visionen für die Stadt

Am kommenden Sonntag entscheidet sich in München die Stichwahl um das Bürgermeisteramt, bei der die Wähler zwischen zwei grundverschiedenen Zukunftsentwürfen für die Stadt wählen müssen. Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) setzten sich in der ersten Runde durch – Reiter mit 35,6 %, Krause mit 29,5 %. Ihr Duell dreht sich vor allem um Wohnraum, Verkehr und die Frage, wie Münchens Wachstum gesteuert werden soll – mit deutlichen Unterschieden in Sachen Politik und Stil.

Nach zwölf Jahren im Amt sieht sich Reiter mit Kritik an Stillstand und Skandalen konfrontiert, darunter undeklarierte Zahlungen des FC Bayern, die seinem Ansehen schadeten. Krause hingegen wirbt mit radikalem Wandel: Er verspricht schnellere Lösungen im Wohnungsbau und eine Abkehr von der autozentrierten Stadtplanung.

Wohnungsnot als zentrales Wahlkampfthema Beide Kandidaten sind sich einig, dass München dringend mehr Wohnungen braucht – doch ihre Lösungsansätze könnten kaum unterschiedlicher sein. Krause will 50.000 neue Wohneinheiten schaffen, mit Schwerpunkt auf der Umwandlung leerstehender Büros in bezahlbare Apartments. Geplant sind eine Mietobergrenze von 450 Euro pro Monat für Studierende sowie eine neue Behörde zur Steuerung der Umbauten. Reiter hingegen steht Büroumwandlungen skeptisch gegenüber und setzt auf ein breiteres Maßnahmenbündel.

Auch bei den städtebaulichen Instrumenten gehen ihre Wege auseinander. Krause unterstützt das Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) als Mittel, um Bodenpreise zu dämpfen und sozialen Wohnungsbau zu fördern. Reiter hingegen bezeichnet das SEM als gescheitert und deutet an, es im Falle einer Wiederwahl nicht weiterzuverfolgen.

Verkehrspolitik als Zankapfel Krause setzt auf einen raschen Ausbau von ÖPNV und Radwegen – für ihn unverzichtbar für eine klimafreundlichere Stadt. Zwar befürwortet auch Reiter bessere Bus-, Straßenbahn- und Radverbindungen, betont aber, Autofahrer dürften nicht benachteiligt werden. Seine Haltung spiegelt einen ausgewogeneren Ansatz wider, der verschiedene Mobilitätsbedürfnisse berücksichtigt, statt eine Verkehrsträger einseitig zu priorisieren.

Sogar bei kulturellen Symbolen zeigen sich die Gegensätze: Krause will die IAA Mobility reformieren und ihre Nutzung öffentlicher Plätze beenden, während Reiter die Veranstaltung in ihrer bisherigen Form verteidigt. Beim Oktoberfest ist Krause offen für die Aufnahme der Giesinger Brauerei als siebtes Bier, Reiter hingegen hat sich bisher nicht klar positioniert.

Reiters Kampagne leidet unter "Amtsmüdigkeit" Nach über einem Jahrzehnt an der Spitze kämpft Reiter mit Wählerverdrossenheit. Seine Unterstützung sank von 47,9 % im Jahr 2020 auf nun 35,6 % – belastet durch Skandale und den Vorwurf mangelnder Tatkraft. Krause inszeniert sich dagegen als Kandidat des Aufbruchs und präsentiert einen Sieben-Punkte-Plan, der Energieunabhängigkeit und beschleunigten ÖPNV-Ausbau vorsieht. Sein Programm trifft bei Wählern auf Zustimmung, die mit den zögerlichen Fortschritten in Wohnungs- und Klimafragen unzufrieden sind.

Stichwahl entscheidet über Münchens Zukunft Die Wahl am Sonntag wird zeigen, ob München an Reiters pragmatischer, aber umstrittenen Führung festhält oder sich für Krauses reformfreudigere Linie entscheidet. Der Sieger wird maßgeblich prägen, wie die Stadt in den kommenden Jahren die Wohnungsnot bekämpft, die Verkehrsnetze ausbaut und öffentliche Räume gestaltet. Angesichts der erwarteten knappen Entscheidung mobilisieren beide Lager noch einmal ihre Anhänger – bevor am Sonntag die Wahllokale öffnen.

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