NDR klagt gegen Zensur im Fall Julian Reichelt – neue Zeugenaussagen erwartet
Finn HerrmannNDR klagt gegen Zensur im Fall Julian Reichelt – neue Zeugenaussagen erwartet
Der Rechtsstreit um den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt zieht sich bereits seit Jahren hin, doch 2026 gibt es neue Entwicklungen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender NDR treibt nun ein vollständiges Gerichtsverfahren voran, um die Zensur eines investigativen Berichts aus dem Jahr 2023 aufzuheben. Der Fall geht auf Vorwürfe wegen Fehlverhaltens am Arbeitsplatz zurück, die Der Spiegel erstmals 2022 öffentlich gemacht hatte.
Die Kontroverse begann 2022, als Der Spiegel Berichte veröffentlichte, wonach Reichelt unangemessene Beziehungen zu Kolleginnen bei Bild unterhalten habe. Der Verlag Axel Springer leitete zwar eine interne Untersuchung ein, doch einige der Frauen, die sich äußerten, sollen berufliche Nachteile erlitten haben. Reichelt bestreitet seit jeher jegliches Fehlverhalten und stellt sich als Opfer einer politisch motivierten Kampagne dar.
Im Oktober 2023 sendete die ARD in der Reihe Reschke Fernsehen einen Beitrag, der die Vorwürfe untermauerte – darunter die Behauptung, Reichelt habe Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt. Der Beitrag wurde jedoch nach Ablauf der üblichen Frist aus der ARD-Mediathek entfernt. Reichelt erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen den Sender, die zur Streichung zentraler Passagen führte.
Nun verschärft der NDR, Produzent der Reschke-Sendung, den Konflikt: Der Sender hat ein vollständiges Klageverfahren eingeleitet, um die zensierten Inhalte wiederherzustellen. Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass Zeugen vernommen werden sollen, darunter eine Frau, die Reichelt vorwirft, sie zu einer Beziehung genötigt zu haben. Warum der NDR den Fall weiterverfolgt, dazu äußert sich der Sender nicht. Währenddessen arbeitet sich die deutsche Justiz – bekannt für ihre langsamen Verfahren – weiter durch den Streit.
Der Rechtsstreit ist noch nicht entschieden. Der NDR will die ursprünglichen Erkenntnisse des Berichts wieder zugänglich machen, Reichelt beteuert weiterhin seine Unschuld und bezeichnet die Vorwürfe als haltlos. Das Urteil wird zeigen, ob die 2023 gesperrten Details der Sendung erneut veröffentlicht werden dürfen.






