Neue Spur im Münchner Judenhaus-Anschlag: War ein Rechtsextremer der Mörder von 1970?
Lara BauerNeue Spur im Münchner Judenhaus-Anschlag: War ein Rechtsextremer der Mörder von 1970?
Ein jahrzehntealter Brandanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in München ist wieder in den Fokus gerückt, nachdem neue Beweise auf einen rechtsextremen Tatverdächtigen hindeuten. Bei dem Feuer im Jahr 1970 kamen sieben Menschen ums Leben, darunter sechs Überlebende des Holocaust. Der Fall blieb über 50 Jahre ungelöst. Nun vermuten Ermittler, dass ein vorbestrafter Krimineller mit antisemitischer Gesinnung für die Tat verantwortlich sein könnte.
Der Anschlag ereignete sich am 13. Februar 1970 im Israelitischen Kultusgemeindezentrum München und Oberbayern im Stadtteil Glockenbach. Gegen 21 Uhr drang ein unbekannter Täter in das Gebäude ein, außer Kraft setzte den Aufzug und goss Benzin und Öl über das Treppenhaus, bevor er es in Brand steckte. In den oberen Stockwerken befanden sich ein Altenheim und Studentenwohnheime, deren Bewohner in der Falle saßen. Sechs Menschen starben in den Flammen, ein siebter, der 71-jährige Max Meir Blum, kam ums Leben, nachdem er aus dem vierten Stock gesprungen war, um zu entkommen.
Jahre lang vermuteten die Ermittler palästinensische Gruppen oder linksextremistische Täter hinter dem Anschlag. Doch 2021 nahmen Münchner Staatsanwälte den Fall nach einem Hinweis des bayerischen Antisemitismusbeauftragten, Andreas Franck, wieder auf. Die Spur führte zu Bernd V., einem 26-jährigen Intensivtäter mit einer Vorgeschichte antisemitischer Drohungen. Laut Der Spiegel hatte V. im Gefängnis damit geprahlt, das Feuer gelegt zu haben, nachdem ihm an jenem Abend der Raub eines nahegelegenen Juweliergeschäfts misslungen war. Ein Mithäftling behauptete später, V. habe sich Jahre nach dem Anschlag zu der Brandstiftung bekannt, doch V. selbst starb 2020.
V.s kriminelle Laufbahn umfasste Bombenanschläge, Tresorknackereien und den Diebstahl eines 500 Jahre alten religiösen Kunstwerks aus einer Münchner Kapelle. Zeugen berichteten, er habe vor dem Anschlag offen gedroht, das jüdische Zentrum niederzubrennen.
Der lange Zeit ins Stocken geratene Fall konzentriert sich nun auf Beweise, die Bernd V. mit der Tat in Verbindung bringen. Seine angebliche Geständnis und dokumentierte Drohungen haben den Staatsanwälten eine neue Ermittlungsrichtung gegeben. Sollten sich die Erkenntnisse bestätigen, wäre dies das erste Mal, dass ein rechtsextremes Motiv offiziell mit dem tödlichen Brandanschlag von 1970 in Verbindung gebracht wird.