NTV ändert Dokumentation nach ICF-Beschwerde – ohne öffentliche Erklärung
Philipp KochNTV ändert Dokumentation nach ICF-Beschwerde – ohne öffentliche Erklärung
Eine aktuelle NTV-Dokumentation hat für Aufsehen gesorgt, nachdem nachträglich Änderungen am ursprünglichen Inhalt vorgenommen wurden. In der ursprünglichen Fassung waren kritische Passagen über die International Christian Fellowship (ICF) in München enthalten, darunter die Behauptung, die Kirche "dämonisiere Abtreibungen". Nach einer Beschwerde der ICF wurden zentrale Abschnitte ohne öffentliche Erklärung entfernt.
Die Dokumentation beleuchtete zudem andere konservative christliche Gruppen, etwa die Pforzheimer Gemeinschaft FWBC Seelengewinnen sowie die Influencer Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Doch vor allem die intransparente Handhabung der Änderungen hat Kritik von Beobachtern und Experten ausgelöst.
Bei der Erstausstrahlung zeigte der Beitrag Ausschnitte aus einer ICF-Predigt, in der der Mitarbeiter Jens Koslowski Abtreibung mit Sklaverei verglich. Die ICF München argumentierte später, die Darstellung ihrer Positionen sei irreführend und vereinfachend. Im Januar strich NTV die Passagen stillschweigend, nachdem die Kirche offiziell Beschwerde eingelegt hatte.
Die aktuelle Version des Beitrags enthält keinen Hinweis auf die vorgenommenen Kürzungen. Matthias Pöhl von der Beobachtungsstelle FundiWatch bezeichnete die mangelnde Transparenz als problematisch: Der Bericht sei zwar mutig angelegt, aber durch die unkommentierten Änderungen fehlerbehaftet. Das Schweizerische Zentrum für Religion, Sekten und Ideologien hatte bereits zuvor bedenkliche Positionen der ICF – nicht nur zum Thema Abtreibung – angemahnt.
Es ist nicht das erste Mal, dass die ICF in die Kritik gerät. 2025 deckte der Journalist Kevin Ebert im Rahmen einer ARD-Recherche Hinweise auf Konversionstherapie-Praktiken innerhalb der ICF Augsburg auf. Über mögliche rechtliche oder öffentliche Konsequenzen der kirchlichen Haltungen in anderen europäischen Ländern ist bisher jedoch nichts bekannt geworden.
Die Dokumentation thematisierte zudem weitere rechtskonservative christliche Persönlichkeiten und Gruppen, darunter die Gemeinde FWBC Seelengewinnen sowie die Influencer Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Ihre Einbindung trug zur breiten Debatte über konservative religiöse Strömungen in Deutschland bei.
Die Streichung der ICF-bezogenen Inhalte aus der NTV-Dokumentation wirft nun Fragen zur redaktionellen Transparenz auf. Kritiker monieren, dass das Fehlen einer Offenlegung der Änderungen das Vertrauen in die Berichterstattung untergräbt. Die Kontroverse reiht sich ein in frühere Untersuchungen zu den Praktiken der ICF, etwa die Vorwürfe der Konversionstherapie in Augsburg.
Offizielle Stellungnahmen oder juristische Schritte gegen die ICF in anderen europäischen Ländern sind bisher nicht dokumentiert. Die Bedenken des Schweizer Zentrums deuten jedoch darauf hin, dass die Organisation weiterhin unter Beobachtung steht – insbesondere wegen ihrer ideologischen Ausrichtung.