"Opferpopp 2.0": Wie Halle an seine vergessenen Jugendlichen erinnert
Philipp Koch"Opferpopp 2.0": Wie Halle an seine vergessenen Jugendlichen erinnert
"Opferpopp 2.0 – Ein Requiem": Ein immersives Theaterprojekt feiert am 5. März 2026 Premiere im nt-Schaufenster des Thalia Theaters Halle***
Die Produktion greift die Lebensgeschichten junger Menschen aus dem Originalstück Opferpopp von 1984 auf und widmet sich zugleich jenen, deren Schicksale aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden sind.
Teil der Reihe "ERINNERN IST HEIMAT", die sich mit Halles ungelösten Fragen und kulturellen Verpflichtungen auseinandersetzt, rückt das Projekt diesmal das Erbe eines umstrittenen Stücks und die Stimmen einer oft übersehenen Generation in den Fokus.
Opferpopp 2.0 – Ein Requiem knüpft an die Neuinszenierung von Opferpopp aus dem Jahr 2007 an, in der junge Laiendarsteller:innen schonungslos von Gewalt und Vernachlässigung berichteten. Das Original von 1984, inszeniert von Andrea Breth an der Berliner Schaubühne, sorgte mit seinen kompromisslosen Darstellungen jugendlicher Traumata für Aufsehen – eine Mischung aus Sexualität und Aggression, die das Publikum schockierte. Von der ursprünglichen Besetzung, zu der auch Barbara Sukowa und Jutta Lampe gehörten, sind heute nur noch zwei im künstlerischen Bereich aktiv: Sukowa in Film und Theater sowie ein ehemaliger Nebendarsteller in sozial engagierten Theaterprojekten. Keiner von ihnen hat sich seitdem öffentlich über die Erfahrungen geäußert.
Die Produktion von 2026 verwandelt das nt-Schaufenster in das Klubhaus Kluth – ein hybrider Ort, benannt nach Alexander Kluth, einem verstorbenen Mitglied des Originalensembles. Die Location verbindet Ausstellung, Club und Bühnenraum und ermöglicht den Besucher:innen, sich frei zu bewegen und selbst zu entscheiden, wie intensiv sie sich einbringen möchten. Jeder Abend steht unter einem anderen Motto und hinterfragt Klischees über sogenannte "Problemkinder", während er sich mit den langfristigen Folgen von Ausgrenzung auseinandersetzt.
Explizit an Jugendliche ab 14 Jahren gerichtet, bietet das Projekt einen seltenen öffentlichen Raum für eine Gruppe, die oft an den Rand gedrängt wird. Die Installation läuft vom 5. bis 22. März 2026 und ist Teil einer größeren Initiative, die Halles kulturelle Erzählungen zurückerobern will.
Die Produktion fragt: Was wurde aus den jungen Stimmen von Opferpopp? Gleichzeitig schafft sie ein lebendiges Denkmal für diejenigen, die aus der Geschichte getilgt wurden. Durch die Verbindung von Performance, Diskussion und freier Bewegung fordert sie das Publikum auf, neu zu überdenken, wie die Gesellschaft an ihre Verwundbarsten erinnert – und sie vergisst.
Opferpopp 2.0 – Ein Requiem ist zudem das jüngste Kapitel der Reihe "ERINNERN IST HEIMAT", die sich mit den offenen Wunden von Halles Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt.






