Rentenreform in Deutschland: Solo-Selbstständige sollen zwangsweise zahlen – doch die Kritik wächst
Lara BauerRentenreform in Deutschland: Solo-Selbstständige sollen zwangsweise zahlen – doch die Kritik wächst
Die deutsche Regierung plant weitreichende Rentenreformen, die Solo-Selbstständige in Deutschland zwingen könnten, in das staatliche Rentensystem einzuzahlen. Arbeitsministerin Bärbel Bas hat eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge erarbeiten soll – allerdings ohne die Betroffenen selbst anzuhören. Kritiker warnen, dass der Vorstoß nach hinten losgehen und sowohl Beschäftigte als auch die Gesamtwirtschaft in Deutschland belasten könnte.
Die Zahl der hauptberuflich Selbstständigen in Deutschland steigt seit 2019 kontinuierlich an. Bis 2025 wird ihre Zahl voraussichtlich auf etwa 3,7 Millionen klettern, gegenüber 3,4 Millionen heute – getrieben durch den Pandemie-bedingten Boom bei Freiberuflern, digitale Arbeitsmöglichkeiten und staatlich geförderte Kredite. Doch nur 29 Prozent zahlen derzeit in die gesetzliche Rentenversicherung ein, was viele dem Risiko von Altersarmut in Deutschland aussetzt.
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) führt diese Lücke auf das Fehlen einer Pflicht zur Altersvorsorge zurück. Die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz will nun das staatliche Rentensystem auf Selbstständige in Deutschland ausweiten. Frühere Versuche in dieser Richtung scheiterten jedoch, und die aktuelle Kommission erarbeitet ihre Pläne ohne die Betroffenen zu konsultieren.
Der Verband Gründer und Selbstständige Deutschland (VGSD) befürwortet zwar grundsätzlich eine Pflichtvorsorge – allerdings nur, wenn sie auf die Bedürfnisse der Selbstständigen zugeschnitten ist. 2019 hatte die Organisation mit Gewerkschaften, Arbeitgebern und Ministerien Rahmenbedingungen ausgehandelt, doch der damalige Arbeitsminister Hubertus Heil setzte die Pläne nie um. Jetzt warnt der VGSD, ein schlecht konzipiertes System könnte Selbstständige finanziell überlasten, Start-ups ersticken und eine ohnehin schwächelnde Wirtschaft in Deutschland weiter schwächen.
Die Vorschläge der Reformkommission werden die künftigen Rentenvorschriften für Millionen Menschen in Deutschland prägen. Ohne die Einbindung der Selbstständigen droht das Ergebnis, ihre Bedürfnisse zu ignorieren. Eine fehlerhafte Ausweitung der gesetzlichen Rente könnte die finanzielle Unsicherheit in Deutschland vertiefen und die wirtschaftliche Erholung bremsen.