Revolutionäre Virenfallen aus München könnten Infektionen weltweit stoppen
Lara BauerRevolutionäre Virenfallen aus München könnten Infektionen weltweit stoppen
Forschende haben eine neue Methode entwickelt, um Viren einzufangen und unschädlich zu machen – mithilfe winziger, sich selbst zusammenbauender Kapseln. Der Durchbruch stammt von einem interdisziplinären Team der Technischen Universität München (TUM) unter der Leitung von Prof. Dr. Hendrik Dietz. Ihr Ansatz könnte eine universelle Behandlungsmöglichkeit für Virusinfektionen bieten, einschließlich neuer Bedrohungen, für die es derzeit keine wirksamen Therapien gibt.
Die Forschungsgruppe, die mit dem Helmholtz Zentrum München und der Brandeis University zusammenarbeitet, schuf hohle Nanostrukturen in Virusgröße mithilfe von DNA-Origami. Diese Gebilde ahmen die Form von Virushüllen nach und sind mit Molekülen ausgekleidet, die sich an Viren binden. Dringt ein Virus in die Falle ein, wird es neutralisiert.
Tests mit adenoassozierten Viren und Hepatitis-B-Virus-Kernen zeigten einen deutlichen Rückgang der viralen Aktivität. Die Fallen blieben auch nach einer Behandlung mit UV-Licht, Polyethylenglykol und Oligolysin über 24 Stunden stabil im Mäuseblutserum – ein Hinweis darauf, dass sie auch in lebenden Organismen wirken könnten. Als nächster Schritt sind Versuche an Mäusen geplant, gefolgt von Studien am Menschen. Bei Erfolg ließe sich die Technologie schnell hochskalieren, da die Ausgangsmaterialien biotechnologisch in großen Mengen und zu vertretbaren Kosten hergestellt werden können. Das Team geht zudem davon aus, dass der Ansatz auch auf Coronaviren und andere virale Erreger übertragbar sein könnte.
Die Virenfallen stellen eine potenzielle Lösung für akute Virusinfektionen dar, für die es heute nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ihre Stabilität in Labortests und Anpassungsfähigkeit an verschiedene Viren markieren einen wichtigen Schritt hin zu breiteren medizinischen Anwendungen. Weitere Tests werden zeigen, wie wirksam sie in Tieren und schließlich im Menschen sind.






