13 February 2026, 00:01

Rhein fordert schlagkräftigere Bundeswehr und mehr europäische Eigenständigkeit

Eine Karte, die die 73-jährige Erweiterung der Nordatlantischen Vertragsorganisation (NATO) von 1949 bis heute zeigt, mit farblich kodierten Regionen nach Jahren und informativem Text oben.

Rhein fordert schlagkräftigere Bundeswehr und mehr europäische Eigenständigkeit

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein wird in dieser Woche erstmals an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen. Dort will er sich für eine stärkere deutsche Bundeswehr und eine größere europäische Eigenständigkeit in Verteidigungsfragen einsetzen. Sein Besuch fällt in eine Zeit, in der die Debatten über Europas Sicherheitsstrategie angesichts eines instabilen globalen Umfelds an Fahrt aufnehmen.

Rhein fordert eine schlagkräftigere Bundeswehr und argumentiert, Deutschland müsse aufgrund seines wirtschaftlichen und politischen Gewichts in Europa eine führende Rolle übernehmen. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen betont er, dass Abschreckung nun von zentraler Bedeutung sei. Zu seinen Vorschlägen gehört eine "Deutschland-Garantie", die Verteidigungspolitik mit Wirtschaftswachstum verknüpft, um die nationale Rüstungsindustrie zu stärken.

Auf der Konferenz wird Rhein an Diskussionen über die neue Weltordnung, strategische Bedrohungen und den künftigen europäischen Verteidigungsansatz teilnehmen. Zudem wird er gemeinsam mit Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom eine Podiumsdiskussion bestreiten, die sich mit transatlantischen Partnerschaften und dem Einfluss starker regionaler Akteure in der globalen Politik befasst.

Der Ministerpräsident hat die Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung neu entfacht, doch die Bundesregierung hat bisher keine konkreten Schritte in Richtung eigener Nuklearkapazitäten unternommen. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine setzt Berlin weiterhin auf die von den USA gestützte Abschreckung der NATO. Experten warnen zwar vor möglicher Unberechenbarkeit der USA, doch sowohl politisch als auch in der Öffentlichkeit gibt es starken Widerstand gegen ein deutsches Atomprogramm. Stattdessen betont Rhein die Notwendigkeit robuster konventioneller Verteidigungskräfte und wirtschaftlicher Stabilität, um Investitionen anzuziehen.

Rhein strebt danach, Hessen als wichtige Stimme in der Sicherheitspolitik zu positionieren und globale Herausforderungen mit regionalen Interessen zu verbinden. Seine Haltung spiegelt einen breiteren Trend wider, bei dem Europa seine Abhängigkeit von externen Verbündeten verringern und gleichzeitig die eigene Verteidigung stärken will.

Rheins Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz unterstreicht einen Wandel im deutschen Verteidigungsdenken. Seine Forderungen nach mehr Investitionen in das Militär und europäischer Eigenverantwortung kommen zu einer Zeit, in der traditionelle Bündnisse vor neuen Herausforderungen stehen. Die Diskussionen könnten künftige Politiken prägen – große Veränderungen wie eine europäische nukleare Abschreckung bleiben jedoch vorerst unwahrscheinlich.