24 January 2026, 20:07

Richard David Precht: Warum der polarisierende Philosoph im ZDF bleibt

Ein Mann im Anzug und Krawatte steht an einem Rednerpult mit einem Mikrofon und einer Fahne im Hintergrund.

Richard David Precht: Warum der polarisierende Philosoph im ZDF bleibt

Richard David Precht bleibt eine prägende Figur im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk – trotz jahrelanger Kontroversen. Der Philosoph und Medienstar sieht sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt: mal als verschwörungsideologischer Querdenker, mal als 'Putin-Freund', sogar als Antisemit. Doch dank seines langjährigen Einflusses und der geschickten Krisenkommunikation seines Teams hält er sich in der Öffentlichkeit – etwa in der ZDF-Philosophiesendung Precht, die seit 2012 läuft.

Geboren 1964, wuchs Precht in einem linksalternativen Milieu auf, bevor er in Köln Philosophie studierte. Sein Durchbruch gelang ihm 2007 mit dem Bestseller Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?, der ihn zum gefeierten Intellektuellen der Republik machte. Jahre lang galt er als Aushängeschild des linksliberalen Establishments.

2021 positionierte sich Precht öffentlich gegen Impfpflichten für Kinder während der Corona-Pandemie – und wurde fortan als Querdenker abgestempelt, ein Schlagwort für Kritiker der offiziellen Pandemiepolitik. Ein Jahr später unterzeichnete er das Sofortiger Waffenstillstand!-Manifest, das zu Verhandlungen im Ukraine-Krieg aufrief. Gegner warfen ihm vor, ein 'Putin-Hofnarr' zu sein. Der schwerste Rückschlag folgte 2023, als Äußerungen über orthodoxe Juden in Markus Lanz’ Podcast als antisemitisch verurteilt wurden. Die Folgen: Precht verlor seine Ehrenprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg. Dennoch beharrt er in seinem jüngsten Buch Angststand: Warum die Meinungsfreiheit schwindet darauf, dass die eigentliche Gefahr für offenen Diskurs in der Selbstzensur liege. Seine Fähigkeit, unterschiedliche politische Lager anzusprechen, hält ihn relevant – auch wenn Kritiker ihm Vorwurf des Opportunismus machen. Besonders scharf fallen seine Angriffe auf das aus, was er ein 'totalitäres Meinungsklima' im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nennt. Und doch bleibt seine Position – zumindest vorerst – unangetastet.

Dass Precht weiterhin beim ZDF präsent ist, wirft die Frage auf, wie lange der Sender seine polarisierenden Standpunkte dulden wird. Seine Karriere hat bereits mehrere Skandale überstanden – von Impfskepsis bis zu Antisemitismusvorwürfen – ohne dass er seine Plattform verlor. Noch tragen sein etablierter Ruf und seine Krisenstrategie ihn durch die öffentliche Debatte. Doch die Kontroversen um seine Person zeigen keine Anzeichen von Erschöpfung.