15 February 2026, 08:02

Rubios scharfe Kritik an Europa spaltet transatlantische Partner

Eine Europakarte mit verschiedenen Farben, die Länder und ihre jeweiligen Vereinbarungen und Organisationen darstellen, begleitet von Text, der die Ländernamen und beteiligten Länder erläutert.

Rubios scharfe Kritik an Europa spaltet transatlantische Partner

US-Außenminister Marco Rubio wandte sich diese Woche in einer Mischung aus Partnerschaftsbekundungen und scharfer Kritik an europäische Führungskräfte. Seine Rede fiel in eine Phase, in der die EU ihre Bindungen zu den USA in den Bereichen Energie und Verteidigung ausbaut – eine Entwicklung, die auf die russische Invasion der Ukraine im Jahr 2022 folgte. Rubios Äußerungen stießen bei europäischen und amerikanischen Abgeordneten gleichermaßen auf Zustimmung wie auf Widerspruch.

Rubio begann mit einem Verweis auf das gemeinsame kulturelle Erbe Europas und präsentierte die USA als natürlichen Verbündeten. Besonders als er die Bedeutung der Partnerschaft angesichts globaler Bedrohungen betonte, erntete er starken Beifall. Doch seine Kritik an den Vereinten Nationen und ausufernden Sozialstaaten fand wenig Anklang und vermochte viele europäische Zuhörer nicht zu überzeugen.

Klimapolitische Maßnahmen bezeichnete er abfällig als "Opfergaben an einen Klimakult" – obwohl die EU zunehmend von US-amerikanischer Energie abhängig ist. Seit 2022 hat der Block seine Gasimporte aus Russland von 45 auf nahe null Prozent gedrosselt und sie durch amerikanisches Flüssiggas (LNG) ersetzt, das mittlerweile über 25 Prozent der gesamten Gasimporte ausmacht. Dieser Wandel, getrieben durch Sanktionen und Versorgungsicherheit, hat die energetische Zusammenarbeit vertieft, wirft aber auch Fragen nach neuen Abhängigkeiten auf.

Rubio griff zudem das auf, was er als "dogmatische Vorstellung von Freihandel" bezeichnete – und das, obwohl die EU 2025 einen Rekordhandelsüberschuss von 190 Milliarden US-Dollar mit den USA erzielte. Seine Aussagen standen im Kontrast zu Europas Bestrebungen nach wirtschaftlicher Resilienz, zu denen auch eine Steigerung der Verteidigungsausgaben um 80 Prozent seit Beginn des Ukraine-Kriegs zählt. Über das SAFE-Programm hat die EU massiv in Luftabwehr, Raketensysteme und militärische Mobilität investiert.

Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez konterte mit einer pointierten Erwiderung, in der sie die Souveränität der Ukraine verteidigte und die Haltung der Trump-Administration zu globalen Bündnissen kritisierte. Sie plädierte für eine regelbasierte Ordnung, die auf Demokratie und Menschenrechten fußt – ein Gegenentwurf zu Rubios Skepsis gegenüber multilateralen Institutionen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete Rubios Rede zwar als "tiefgreifend beruhigend", warnte jedoch, Europa müsse seine Eigenständigkeit wahren. Ihre Worte spiegelten die Sorge wider, das Gleichgewicht zwischen transatlantischer Zusammenarbeit und strategischer Autonomie zu halten.

Schon ein Jahr zuvor hatte der damalige US-Vizepräsident JD Vance Europa vor inneren Bedrohungen für seine Kernwerte gewarnt. Angesichts der sich wandelnden US-Politik unter einer neuen Regierung gewinnt diese Mahnung nun an Gewicht, während die EU sich in einem komplexen Umfeld behaupten muss.

Rubios Rede unterstrich sowohl die Einheit als auch die Spannungen in den transatlantischen Beziehungen. Zwar verringert die EU weiterhin ihre Abhängigkeit von russischer Energie und stärkt ihre Verteidigungsfähigkeiten, doch bleiben Differenzen in Handel, Klimapolitik und globaler Governance bestehen. Wie sich diese Konflikte entwickeln, wird die transatlantische Zusammenarbeit in den kommenden Jahren prägen.