24 March 2026, 14:02

Rudolf Nurejews verbotene Hommage: Wie ein Ballett zum politischen Tabu wurde

Vier junge Balletttänzerinnen in weißen Kleidern tanzen auf einer Bühne mit einer gemalten Kulisse aus Bäumen und Himmel, in Schwarz-Weiß.

Rudolf Nurejews verbotene Hommage: Wie ein Ballett zum politischen Tabu wurde

Ein Ballett zu Ehren Rudolf Nurejews feierte 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater Premiere. Die von Choreograf Juri Possochow und Regisseur Kirill Serebrennikow geschaffene Produktion verbindet das turbulente Leben des Tänzers mit seiner künstlerischen Brillanz. Seitdem ist das Werk von russischen Bühnen verschwunden – ein Opfer der verschärften gesetzlichen Repressionen gegen LGBTQ-Themen.

Nurejew wurde 1938 als Sohn baschkirisch-tatarischer Eltern während einer Zugfahrt in der Nähe des Baikalsees geboren. Seine frühen Jahre, die Ausbildung am Kirow-Ballett und seine Flucht nach Frankreich 1961 prägten sein Leben maßgeblich. Das Ballett zeichnet diese Stationen nach – von der Selbstfindung über den Abschluss bis zu den ersten Auftritten – und zeigt zugleich seinen unermüdlichen Kampf um Freiheit.

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Die Inszenierung taucht das Publikum in Nurejews Welt ein: Mit Objekten aus seinem Nachlass – Aktgemälde alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und Anspielungen auf seine italienische Insel – rahmen die Macher Szenen künstlerischer Leidenschaft und persönlicher Kämpfe. Doch der zweite Akt vermag die Energie des ersten nicht ganz zu halten, trotz kraftvoller Soli und mitreißender Ensembletänze.

Ursprünglich 1995 in Berlin uraufgeführt, erlebte das Ballett zwei Jahrzehnte später in Moskau eine kurzlebige Renaissance. Serebrennikow, der Regisseur, wurde 2017 unter dem Vorwurf der Veruntreuung verhaftet – ein Prozess, der weithin als Vergeltung für seine offene Homosexualität galt. Nach der weiteren Verschärfung der LGBTQ-Gesetze in Russland 2022 verschwand das Stück vom Spielplan des Bolschoi.

Nurejew selbst starb 1993 in Paris an den Folgen von Aids. Sein Nachlass wurde 1995 versteigert, die persönlichen Gegenstände, die einst sein Leben prägten, zerstreuten sich in alle Winde.

Das Ballett Nurejew bleibt ein lebendiges Denkmal für einen Tänzer, der Grenzen sprengte. Sein Verschwinden von russischen Bühnen spiegelt tiefgreifende politische Veränderungen wider. Währenddess arbeitet Possochow weiterhin in Moskau – doch die Themen des Stücks, Liebe und künstlerische Freiheit, sehen sich wachsender Repression ausgesetzt.

Quelle