Ruhrfestspiele wagen mit Schock und Staunen einen Blick in den Iran – trotz aller Hindernisse
Finn HerrmannRuhr Festival beginnt mit iranischem Drama auf Persisch - Ruhrfestspiele wagen mit Schock und Staunen einen Blick in den Iran – trotz aller Hindernisse
Ruhrfestspiele präsentiert mutiges neues Motto: Schock und Staunen
Die diesjährigen Ruhrfestspiele haben ihr kühnes neues Leitmotiv enthüllt: Schock und Staunen. Das Festival wird mit Weltpremieren, Deutschlandpremieren und glanzvollen Auftritten internationaler Stars aufwarten. Zu den Höhepunkten zählt ein packendes iranisches Flüchtlingsdrama, das den Theaterreigen in Recklinghausen eröffnen wird.
Doch hinter den Kulissen zeichnen sich Herausforderungen ab. Politische Spannungen und der anhaltende Konflikt im Nahen Osten haben kurzfristige Änderungen bei zentralen Produktionen erzwungen – die Veranstalter kämpfen darum, internationale Teilnehmer zu gewinnen.
Den Auftakt des Theaterprogramms bildet Das Kind, ein mitreißendes persischsprachiges Drama der iranischen Dramatikerin Naghmeh Samini. Das Stück begleitet drei Frauen an einer europäischen Grenze, die leugnen, die Mutter eines Kindes zu sein, um zu verhindern, dass die Behörden dem Mädchen die Einreise verwehren. Das Publikum wird die Vorstellung mit deutschen und englischen Untertiteln verfolgen können.
Ursprünglich sollte Saminis Inszenierung drei iranische Theatergruppen oder Künstler umfassen. Doch politische Hürden reduzierten das Ensemble auf die Regisseurin selbst sowie die Musiker Parham Jahanbakhsh und Maziar Sodagar. Nun steht das künstlerische Team vor einer weiteren Bewährungsprobe: der Organisation eines Besuchs der renommierten Gruppe um die Schauspielerin Fatemeh Motamed-Arya. Sollten Reisebeschränkungen oder Sicherheitsbedenken dazwischenkommen, könnte die Produktion vollständig abgesagt werden.
Trotz dieser Rückschläge bleibt der iranische Einfluss im Programm prägend. Persische Gärten des Theater Rotterdam verwebt iranische Motive in seine Erzählstruktur, während der Künstler Reza Kabiri einen Workshop über traditionelles iranisches Puppentheater leiten wird. Jede Veranstaltung unterstreicht das Engagement des Festivals für interkulturellen Austausch – auch wenn logistische und geopolitische Hindernisse seine Ambitionen auf die Probe stellen.
Die Ruhrfestspiele setzen ihr Motto Schock und Staunen entschlossen um und balancieren zwischen künstlerischer Innovation und realen Zwängen. Zwar sind einige iranische Kooperationen geschrumpft oder stehen auf der Kippe, doch das Festival bietet dem Publikum weiterhin seltene Einblicke in iranisches Theater und Musik. Die Veranstalter bleiben flexibel und sind entschlossen, ein Programm zu präsentieren, das ihrem visionären Anspruch gerecht wird.






