Siemens-Chef Busch gerät auf Hauptversammlung wegen KI-Strategie unter Druck
Lara BauerSiemens-Chef Busch gerät auf Hauptversammlung wegen KI-Strategie unter Druck
Siemens erntet scharfe Kritik von Großinvestoren auf Hauptversammlung in München
Führende Vermögensverwalter hinterfragten auf der Jahreshauptversammlung des Konzerns in München die KI-Strategie von Siemens, jüngste Übernahmen sowie die verzögerte Abspaltung der Tochter Siemens Healthineers. Trotz der Vorbehalte ist der Marktwert des Industriekonzerns mittlerweile auf über 200 Milliarden Euro gestiegen – und macht das Unternehmen damit zu einem der wertvollsten Deutschlands.
Aktionäre zeigten sich frustriert über die zögerliche Entwicklung bei der Umwandlung Siemens' in ein softwaregetriebenes Technologieunternehmen. Arne Rautenberg von Union Investment forderte konkrete Ergebnisse der KI-Strategie und erklärte: "Wir wollen keine Visionen mehr kaufen – wir wollen echte Wirkung sehen." Zudem kritisierte er die langwierige Abspaltung von Healthineers als "schlampige Arbeit", die das Vertrauen der Anleger erschüttert habe.
Ingo Speich von Deka schloss sich dieser Kritik an und warnte, dass die KI-Initiativen bisher nicht ausreichend zur Profitabilität beitrügen. Er mahnte zur Zurückhaltung bei teuren Übernahmen und verwies auf die 16-Milliarden-Dollar-Deals für Altair und Dotmatics. An CEO Roland Busch gerichtet, forderte er, frühere Finanzfehler nicht zu wiederholen. Speich äußerte zudem Bedenken vor einer möglichen KI-Blase, deren Platzen Siemens schwer treffen könnte.
Trotz der Kritik verzeichnet Siemens ein beachtliches Wachstum: Die Marktkapitalisierung hat sich seit Herbst 2023 mehr als verdoppelt und überstieg zeitweise sogar die von SAP, womit der Konzern zum wertvollsten DAX-Unternehmen Deutschlands aufstieg. Dieser Anstieg folgt auf starke Quartalsergebnisse, angehobene Prognosen und die Fokussierung auf Software und Automatisierung. Über 38 Jahre hinweg erzielte Siemens eine durchschnittliche jährliche Rendite von 11,3 % – und übertrumpfte damit Konkurrenten wie SAP, das vorübergehend mit Rückschlägen kämpfte.
CEO Roland Busch kündigte an, im April weitere Details zur Healthineers-Abspaltung bekannt zu geben, darunter den Zeitplan und die steuerliche Behandlung.
Die Versammlung offenbarten die Spannungen zwischen der Siemens-Führung und den Investoren in Fragen der Strategie und Umsetzung. Zwar bleibt die Marktperformance des Konzerns stark, doch die Aktionäre drängen auf klarere Erfolge bei den KI- und Softwareinvestitionen. Die für April angekündigten Neuigkeiten zu Healthineers werden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt – als Gradmesser für den Fortschritt.