Siemens Energy feuert Betriebsrätin – Vorwurf der Gewerkschaftsbekämpfung
Philipp KochSiemens Energy feuert Betriebsrätin – Vorwurf der Gewerkschaftsbekämpfung
Isabella Paape, langjähriges Mitglied des Betriebsrats bei Siemens Energy in Erlangen, wurde am 12. November 2022 entlassen. Die Entscheidung hat breite Unterstützung von Arbeitnehmervertretungen ausgelöst, die ihre Kündigung als Versuch werten, die Interessenvertretung der Beschäftigten zu schwächen.
Paape arbeitete seit 2002 bei Siemens Energy und setzte sich aktiv für die Rechte der Mitarbeiter ein. Durch ihr Engagement trugen sie und ihre Kollegen über die Jahre zu Lohnerhöhungen für die Belegschaft bei.
Laut ihren Angaben behinderte die Unternehmensführung wiederholt ihre Arbeit als Betriebsrätin. So wirft sie dem Unternehmen vor, sie daran gehindert zu haben, Kollegen über ihre Rechte zu informieren, interne Vereinbarungen weiterzugeben und eine Informationsveranstaltung zur betrieblichen Altersvorsorge zu organisieren. Die Kündigung wurde von einer mehrheitlich unternehmensnahen Fraktion im Betriebsrat gebilligt, die genauen Gründe sind jedoch nicht öffentlich bekannt. Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von Gewerkschaftsbekämpfung – einer Strategie, um gewerkschaftliches Engagement durch gezielte Maßnahmen gegen deren Vertreter einzuschränken.
Seit ihrer Entlassung wächst die Solidarität mit Paape. Die gewerkschaftsnahe Gruppe „Gemeinsam Aktiv!“ innerhalb von Siemens Energy hat sie auf ihrer Website verteidigt. Eine Online-Petition auf openpetition.de hat bereits fast 1.200 Unterschriften gesammelt, in der ihre Wiedereinstellung gefordert wird. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Erlangen sowie die Mitarbeiterseelsorge des Erzbistums Bamberg unterstützen sie mit der Begründung, die Kündigung untergrabe ihre laufende Arbeit für die Belegschaft.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die angespannten Beziehungen zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern bei Siemens Energy. Obwohl die Kündigung Paapes weiterhin besteht, deutet die wachsende Solidarität von Gewerkschaften und Kollegen darauf hin, dass der Konflikt noch lange nicht beigelegt ist. Die Petition und öffentliche Stellungnahmen setzen das Unternehmen weiterhin unter Druck, seine Entscheidung rückgängig zu machen.