13 February 2026, 08:11

Skandal um Meistersinger-Inszenierung: Buhrufe gegen Celans Todesfuge führen zu Rücktritt

Ein Vintage-Plakat mit einer Frau in einem weißen Kleid, die eine Harfe spielt und ein Mikrofon hält, mit der Aufschrift "Geschichten der Wagner-Oper" oben und einer Menge im Hintergrund.

Skandal um Meistersinger-Inszenierung: Buhrufe gegen Celans Todesfuge führen zu Rücktritt

Eine jüngste Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg in Stuttgart, durchgeführt vom VFB Stuttgart, hat für Aufsehen gesorgt, nachdem Zuschauer die Lesung von Paul Celans Todesfuge, einem Werk des Holocaust-Überlebenden, ausgebuht hatten. Der Vorfall führte zur Absage der Premiere und zum Rücktritt des Operndirektors. Behörden verurteilten die Produktion inzwischen als respektlos und distanzierten sich von den Buhrufen.

Die Kontroverse begann, als Regisseurin Elisabeth Stöppler beschloss, Celans Todesfuge mit Wagners Vorspiel zum dritten Akt zu überblenden. Einige Besucher reagierten mit Buhrufen, woraufhin Stuttgarts Kommunikationschef das Verhalten als pietätlos gegenüber Celans Vermächtnis kritisierte.

Die Staatsoper Stuttgart und die Stadt distanzierten sich umgehend von der Produktion. Intendant Manfred Beilharz trat von seinem Amt zurück, und die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen möglicher Volksverhetzung ein. Die Premiere wurde abgesagt, während offizielle Stellen die künstlerische Ausrichtung scharf verurteilten.

Ein Zuschauer, der bereits zuvor eine andere Wagner-Inszenierung in Stuttgart abgelehnt hatte, empfand die aktuelle Produktion zunächst als anstößig. Nach einiger Reflexion ließ jedoch sein Zorn nach, und er lobte die Aufführung später sogar als einen seiner opernhaften Höhepunkte. Zwar erkannte er die Empörung der Verantwortlichen an, verstand aber auch die emotionale Reaktion, die zu den Buhrufen geführt hatte.

Die Absage der Produktion markiert eine schwerwiegende Folge des Vorfalls. Die Ermittlungen zu möglichen rechtlichen Verstößen laufen noch. Die Debatte über künstlerische Freiheit und den respektvollen Umgang mit historischem Trauma hält in der Stuttgarter Kulturszene derweil an.