Streit um NS-Raubkunst: Neues Schiedsgericht startet mit hohen Hürden für Erben
Lara BauerStreit um NS-Raubkunst: Neues Schiedsgericht startet mit hohen Hürden für Erben
Neues Schiedsgericht für Streitigkeiten um NS-Raubkunst nimmt am 1. Dezember 2025 die Arbeit auf
Behördenvertreter loben den Schritt als bedeutenden Fortschritt bei der Klärung langjähriger Restitutionsforderungen. Kritiker warnen jedoch, dass das neue System ungerechte Hürden für Erben schaffen könnte – insbesondere für Nachkommen jüdischer Kunsthändler.
Zwischen 1933 und 1945 beschlagnahmten die Nationalsozialisten bis zu 600.000 Kunstwerke, überwiegend von jüdischen Besitzern. Viele dieser Werke lagern noch heute in Museumsdepots. Das neue Schiedsgericht soll diese ungelösten Fälle aufarbeiten, doch sein Vorgehen ist umstritten.
Jedes Schiedsverfahren kostet pauschal 52.000 Euro an Verfahrensgebühren – unabhängig vom Wert des Kunstwerks. Die Berliner Geschäftsstelle des Gerichts hat bisher nicht bekannt gegeben, wie viele Fälle bereits anhängig sind. Museen müssen sich freiwillig mit einer "ständigen Offerte" am Verfahren beteiligen – andernfalls können Erben keine verbindliche Entscheidung gegen ihren Willen erzwingen.
Rechtsanwälte wie Jörg Michael Cramer von Clausbruch kritisieren, dass das Verfahren jüdische Erben benachteiligen könnte. Der Münchner Jurist Hannes Hartung weist darauf hin, dass mehr als die Hälfte der 36 ernannten Schiedsrichter keine Expertise in den Bereichen NS-Raubkunst, Restitution oder Schiedsverfahren besitzen. Infolgedessen prüfen einige Anwaltskanzleien alternative Wege, darunter Klagen vor US-Gerichten.
Bayerns Kunstminister Markus Blume und der Bundeskulturbeauftragte Wolfram Weimer begrüßten das Schiedsgericht als wichtigen Schritt. Unklar bleibt jedoch, wie viele deutsche Museen sich tatsächlich zur Teilnahme bereit erklärt haben.
Die Einrichtung des Gerichts markiert einen formalen Meilenstein bei der Aufarbeitung des NS-Kunstraubs. Angesichts hoher Kosten, unklarer Beteiligung und Bedenken hinsichtlich der Qualifikation der Schiedsrichter bleibt seine Wirksamkeit jedoch fraglich. Erben und ihre juristischen Vertreter suchen weiterhin nach anderen Möglichkeiten, um Restitutionsansprüche durchzusetzen.






