Supermarkt statt Arztpraxis: Händler bieten jetzt medizinische Dienstleistungen an
Lara BauerSupermarkt statt Arztpraxis: Händler bieten jetzt medizinische Dienstleistungen an
Eine aktuelle Umfrage von Deloitte zeigt, dass viele Deutsche mit dem aktuellen Zustand der medizinischen Versorgung unzufrieden sind. Über ein Drittel der Befragten äußerte Frust – vor allem über lange Wartezeiten auf Termine. Nun springen Einzelhändler in die Bresche und bieten medizinische Dienstleistungen direkt im Geschäft an.
Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der 60 Prozent der Befragten sich vorstellen könnten, künftig gesundheitsbezogene Angebote im Handel zu nutzen. Einige große Handelskette haben bereits damit begonnen, neue Services zu testen, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.
Die im Februar 2024 durchgeführte Erhebung ergab, dass kürzere Wartezeiten, bequeme Standorte und einfache Terminbuchung die wichtigsten Gründe sind, warum Verbraucher Retail-Gesundheitsleistungen in Betracht ziehen würden. Mehr als die Hälfte der Interessierten – 52 Prozent – gab sogar an, sie würden dafür ihren gewohnten Einkaufsort wechseln.
Drogeriemärkte wurden von 39 Prozent der Befragten als bevorzugter Anlaufpunkt genannt, wobei diagnostische Leistungen wie Augen- oder Hauttests mit 43 Prozent am gefragtesten waren. Zudem bestand großes Interesse an einem erweiterten Sortiment, darunter Nahrungsergänzungsmittel, Naturheilmittel und medizinische Hilfsmittel.
Allerdings bleiben Bedenken hinsichtlich der Qualität eine Hürde. Fast die Hälfte derjenigen, die Retail-Gesundheitsangebote ablehnen, nannte Zweifel an den Dienstleistungsstandards als Hauptgrund. Trotzdem sehen Händler hier eine Chance, mit zuverlässigen und hochwertigen Leistungen neue Kunden zu gewinnen.
Seit der Umfrage haben zwei große Ketten Pilotprojekte gestartet: dm kooperiert mit Apotheken und Telemedizin-Anbietern, um in über 50 Filialen integrierte Gesundheitsberatungen anzubieten – mit Plänen zur Ausweitung im Jahr 2025. Kaufland testet derweil in 20 Standorten Gesundheitschecks in Zusammenarbeit mit Kliniken und Arztpraxen und will das Programm bis 2026 ausbauen.
Der Trend zu Retail-Gesundheitsdienstleistungen spiegelt die wachsende Unzufriedenheit mit der klassischen medizinischen Versorgung in Deutschland wider. Da große Handelsketten bereits Pilotprojekte umsetzen, könnten Verbraucher bald bequemere Optionen für grundlegende Gesundheitsbedürfnisse erhalten. Werden die Qualitätsbedenken ausgeräumt, könnte dieser Wandel die Art und Weise, wie viele Deutsche medizinische Versorgung in Anspruch nehmen, nachhaltig verändern.






