Wie er Demut im Gefängnis lernte - Uli Hoeneß: Vom Gefängnis zurück an die Spitze des FC Bayern
Uli Hoeneß, eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten des Fußballs, verließ vor genau zehn Jahren das Gefängnis. Seine Entlassung am 29. Februar 2016 um Mitternacht markierte das Ende einer Haftstrafe, die sein öffentliches Image nachhaltig prägte. Bekannt dafür, die Gemüter zu spalten, kehrte er in ein Leben zurück, das ihn bald wieder in den Einflussbereich des FC Bayern München führte – wenn auch mit einem veränderten Blick auf Verantwortung und Familie.
Hoeneß verließ die Justizvollzugsanstalt Landsberg zu einem ungewöhnlichen Empfang: Freunde spielten vor seinem Haus in einer Blaskapelle. Die Feier dauerte bis in die frühen Morgenstunden, ein Schafkopf-Spiel endete erst um 5 Uhr morgens. Selbst im Gefängnis war er eine Ausnahmeerscheinung gewesen. Der Anstaltsleiter hatte ihn einst als einzigen Häftling mit einem "Fanclub" unter Wärtern und Mithäftlingen bezeichnet.
Seine Zeit hinter Gittern hinterließ tiefe Spuren. Hoeneß sprach später von gelernter Demut und einem gestärkten Bewusstsein für soziale Verantwortung. Dennoch folgte er dem Rat, den Kontakt zu ehemaligen Mithäftlingen abzubrechen, und konzentrierte sich stattdessen auf den Wiederaufbau seiner Karriere und seines Privatlebens.
Schon im November 2016 kehrte er zum FC Bayern zurück und wurde mit 98,5 Prozent der Mitgliederstimmen erneut zum Präsidenten gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2019 inne, bevor er als Präsident zurücktrat, dem Verein jedoch als Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied verbunden blieb. Der Wechsel ermöglichte es ihm, weiterhin einflussreich zu wirken, ohne in die tägliche Geschäftsführung eingebunden zu sein.
Abseits des Fußballs betont Hoeneß immer wieder die Bedeutung seiner Familie. Mit seiner Frau Susi verbindet ihn eine über 50-jährige Ehe, geprägt von Ehrlichkeit und gegenseitigem Vertrauen. Er schätzt ihren scharfen Blick für Charaktere und ihre bedingungslose Unterstützung. Für ihn bleibt die Gesundheit seiner Angehörigen – und die Angst, einen von ihnen zu verlieren – die größte Sorge.
Ein Jahrzehnt nach seiner Entlassung zeigt Hoeneß' Leben sowohl Kontinuität als auch Wandel. Er kehrte in die Führungsetage des FC Bayern zurück, doch mit einer besonneneren Haltung, geprägt durch die Haftzeit. Gleichzeitig bleiben seine langjährige Ehe und der enge Familienzusammenhalt zentrale Fixpunkte seines Lebens – ein stabiler Rückhalt jenseits der Öffentlichkeit.