Bremen feiert 195 Jahre Eiswette – doch das Eis bleibt fast immer aus
Philipp KochWette auf Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Bremen feiert 195 Jahre Eiswette – doch das Eis bleibt fast immer aus
Jeden Januar kehrt eine skurrile, 195 Jahre alte Tradition nach Bremen zurück: die Eiswette, ein Wettritual, bei dem ein als Schneider verkleideter Schauspieler prüft, ob die Weser zugefroren ist. Hält das Eis, folgt ein Festmahl – doch in letzter Zeit spielt der Fluss selten mit.
Die Tradition begann 1829, als 18 Kaufleute wetteten, ob die Weser zufrieren würde. Der Einsatz? Ein gemeinsames Kohlessen – ein deftiger Eintopf aus Grünkohl und Pinkelwurst. Die Wette war einfach: Frohr die Weser bis Anfang Januar zu, konnte der Schneider mit einem glühenden Bügeleisen über den Fluss laufen. Tat sie es nicht, zahlten die Kaufleute das Mahl.
Seither findet das Spektakel fast jedes Jahr am dritten Januar-Samstag statt. Rund 800 Gäste versammeln sich heute zum Eiswetten-Fest, egal ob gewonnen oder verloren. Der Schneider, der einst zu Fuß gehen sollte, ist seit Jahrzehnten auf ein Boot angewiesen – die Strömung der Weser macht einen Spaziergang unmöglich.
Die Bremer Eiswettgesellschaft von 1829 hält die Tradition am Leben. Neben dem Schauspiel werden Spenden für die Seenotrettung gesammelt, was dem historischen Ritual eine wohltätige Note verleiht.
Die Eiswette bleibt eine der beständigsten Bräuche Bremens. Zwar ist der Gang des Schneiders längst symbolisch, doch Fest und Spendenaktion ziehen weiterhin Scharen an. Die nächste Wette wird – wie seit fast zwei Jahrhunderten – im Januar 2025 platziert.