Deutschland und Frankreich planen europäisches Raketensystem mit 1.000 km Reichweite
Philipp KochAriane Group entwickelt ballistische Raketen - Deutschland und Frankreich planen europäisches Raketensystem mit 1.000 km Reichweite
Deutschland und Frankreich prüfen die Entwicklung eines neuen europäischen ballistischen Raketensystems, das Ziele in über 1.000 Kilometern Entfernung treffen kann. Das von der ArianeGroup geleitete Projekt befindet sich in ersten Gesprächen mit beiden Regierungen. Sollte es realisiert werden, würde dies eine Wende in Europas Fähigkeiten für Langstreckenangriffe bedeuten.
Das geplante Raketensystem, bekannt als das MBT-Programm, steckt noch in der Konzeptphase. Die ArianeGroup, die bereits Nuklearraketen für Frankreich liefert, wirbt nun für eine Variante mit konventionellen Sprengköpfen, die in ganz Europa eingesetzt werden könnte. Vincent Pery, Leiter der Militärsparte des Unternehmens, bestätigte Gespräche mit deutschen Vertretern.
Deutschland verfügt derzeit über keine ballistischen Langstreckenraketen dieser Art. Das MBT-System würde diese Lücke schließen und eine Reichweite von mehreren tausend Kilometern bieten. Eine volle Einsatzbereitschaft wäre jedoch frühestens in einigen Jahren möglich.
Der Vorstoß für europäisch entwickelte Raketen erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Debatten über die Abhängigkeit des Kontinents von militärischer Unterstützung der USA. Zwar haben mehrere Regierungen Interesse signalisiert, doch hat bisher kein Land finanzielle Mittel zugesagt oder eine offizielle Genehmigung erteilt. Das französische Verteidigungsministerium und die Beschaffungsbehörde sind aktiv eingebunden, doch stehen noch keine endgültigen Entscheidungen fest.
Das MBT-Programm könnte die europäische Sicherheitsarchitektur prägen, indem es eine eigenständige Langstreckenoption schafft. Derzeit laufen die Gespräche ohne verbindliche Zusagen oder konkrete Zeitpläne weiter. Der Ausgang hängt von weiteren Verhandlungen zwischen der ArianeGroup und den beteiligten Regierungen ab.