EU will Verteidigung stärken – von der Leyen fordert klare Umsetzung von Artikel 42.7
Finn HerrmannEU will Verteidigung stärken – von der Leyen fordert klare Umsetzung von Artikel 42.7
Europäische Spitzenpolitiker drängen auf eine Stärkung der Verteidigungskooperation innerhalb der EU – vor dem Hintergrund sich wandelnder Beziehungen zu den USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, hat eine klarere Ausgestaltung der gegenseitigen Verteidigungsklausel des Blocks gefordert, die als Artikel 42.7 bekannt ist.
Von der Leyen betonte, dass gegenseitige Verteidigung keine Option, sondern eine vertragliche Verpflichtung nach dem EU-Vertrag sei. Sie rief die Mitgliedstaaten auf, präzise darzulegen, wie sie im Falle eines Angriffs auf ein anderes EU-Land reagieren würden, da Artikel 42.7 "Hilfe und Unterstützung mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln" vorsieht. Ihre Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund jüngster Kurswechsel der US-Politik, die Zweifel an Europas Abhängigkeit von amerikanischer Unterstützung aufkommen ließen.
Zudem kritisierte sie NATO-Generalsekretär Mark Rutte für dessen Infragestellung der europäischen Fähigkeit, sich ohne US-Rückenwind zu verteidigen. Von der Leyen räumte ein, dass die EU ihre Abhängigkeit von externen Partnern – einschließlich der Vereinigten Staaten – verringern müsse.
Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützte ihre Position und forderte, Artikel 42.7 vollumfänglich umsetzbar zu machen. Unterdessen bekräftigte US-Außenminister Marco Rubio die transatlantischen Bindungen mit den Worten: "Wir wollen ein starkes Europa." Der britische Premierminister Keir Starmer wies in seinen Stellungnahmen auf eine neue politische Ära unter Trump hin, betonte aber gleichzeitig die anhaltend engen Beziehungen zu den USA.
Der Vorstoß für ein robusteres EU-Verteidigungsrahmenwerk spiegelt die wachsende Unsicherheit über künftige US-Zusagen wider. Von der Leyens Appell zur Aktivierung von Artikel 42.7 deutet auf einen möglichen Wandel hin zu größerer europäischer Eigenständigkeit in Sicherheitsfragen. Die Debatte konzentriert sich nun darauf, wie die Mitgliedstaaten diese Maßnahmen konkret umsetzen werden.