20 February 2026, 02:02

Münchner Start-up revolutioniert Kalt-Datenspeicherung mit Quarzglas-Technologie

Eine alte Columbia-Schallplatte in einer Glasvitrine mit einem beschrifteten Rahmen.

Münchner Start-up revolutioniert Kalt-Datenspeicherung mit Quarzglas-Technologie

Münchner DeepTech-Start-up ewigbyte betritt mit innovativem Ansatz den Markt für Kalt-Datenspeicherung

Das in München ansässige DeepTech-Start-up ewigbyte steigt mit einer revolutionären Methode in den Markt für die Langzeitarchivierung von 'kalten Daten' ein. Das Unternehmen nutzt Femtosekundenlaser, um Informationen in Quarzglas zu kodieren – und verspricht damit eine dauerhafte Speicherung ohne laufende Kosten für Klimatisierung oder Datenmigration. Gleichzeitig garantiert diese Technologie digitale Souveränität, da die Daten auf lokaler, langlebiger Infrastruktur und nicht auf entfernten Servern gespeichert bleiben.

Der globale Markt für archivierte Daten beläuft sich derzeit auf schätzungsweise 160 bis 180 Milliarden Euro. Bis Mitte der 2030er-Jahre könnte er laut Prognosen auf über 450 Milliarden Euro anwachsen. Ewigbytes Markteintritt fällt mit einer neuen Finanzierungsrunde zusammen, angeführt von Vanagon Ventures und Bayern Kapital, mit zusätzlicher Unterstützung durch Business Angels aus dem Netzwerk von BayStartUP.

Die Technologie von ewigbyte konkurriert direkt mit Microsofts Project Silica, das seit seinem Start 2017 bedeutende Fortschritte gemacht hat. Microsofts Forschung konzentrierte sich zunächst auf teures Quarzglas, wechselte dann aber zu günstigerem Borosilikatglas. Dies ermöglichte das Auslesen mit einer einzigen Kamera sowie das parallele, hochgeschwindigkeitsfähige Beschreiben mit sogenannten 'Phase Voxels'. Aktuelle Tests bestätigen eine Haltbarkeit von über 10.000 Jahren – eine einzelne Platte von 12x12x0,2 Zentimetern fasst dabei bis zu 4,8 Terabyte. Nach Abschluss der Forschungsphase 2026 demonstrierte Microsoft das System, indem es Filme wie Superman archivierte.

Ewigbyte verfolgt jedoch ein anderes Geschäftsmodell: Statt Lasermaschinen zu verkaufen, will das Start-up 'Storage-as-a-Service' anbieten und Speicherkapazitäten an Kunden vermieten. Kürzlich sicherte sich das Unternehmen einen Validierungsauftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Ein Prototyp für Pilotprojekte soll bis 2026 entstehen.

Um sich durchzusetzen, muss ewigbyte jedoch technische und marktbezogene Hürden überwinden. Dazu gehört die massiv parallele Beschleunigung des Schreibprozesses sowie der Nachweis, dass die Gesamtbetriebskosten unter denen herkömmlicher Magnetbänder liegen. Zudem steht das Start-up in Konkurrenz zum lokalen Mitbewerber Cerabyte, der ebenfalls an glasbasierten Speicherlösungen arbeitet.

Der Erfolg von ewigbyte hängt davon ab, ob es gelingt, einen industrietauglichen Prototypen zu entwickeln und die Technologie effizient zu skalieren. Sollte es dem Unternehmen gelingen, kostengünstige und langfristige Speicherlösungen anzubieten, könnte es sich in diesem rasant wachsenden Markt als wichtiger Akteur neben etablierten Konkurrenten wie Microsoft und Cerabyte positionieren.