16 January 2026, 13:36

Reclam bringt Songtexte in den Klassiker-Kanon – von Goethe bis zu Die Ärzte

Eine Gruppe strahlender Kinder, die im Kreis auf einem bunten Magazincover von 'Die Woche' aus Juni 1933 spielen

Reclam bringt Songtexte in den Klassiker-Kanon – von Goethe bis zu Die Ärzte

Der deutsche Verlag Reclam erweitert seine Klassiker-Reihe um moderne Songtexte. Damit finden sich nun traditionelle Kirchenlieder, Rockhymnen und Volksweisen im gleichen Format wie die Werke von Goethe und Schiller wieder. Unterdessen wagt sich der französische Autor Michel Houellebecq mit einem neuen Album und einer Tournee in die Musikbranche vor.

Reclam hat den literarischen Kanon Deutschlands über Jahrzehnte geprägt und seine Auswahlen oft mit nationaler Identität verknüpft. Die markanten gelb-schwarzen Bände teilen sich nun die Regale mit rot gebundenen Ausgaben – diese sind fremdsprachigen Werken vorbehalten. Auch Bob Dylans Liedtexte sind in dieser Reihe erschienen und reiht sich damit neben übersetzten Texten ein.

Zu den jüngsten Veröffentlichungen des Verlages zählen auch deutsche Liedermacher. Von Paul Gerhardt, einem Hymnendichter des 17. Jahrhunderts, sind 139 Texte im Druck, darunter bekannte Stücke wie Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Doch auch zeitgenössische Künstler halten Einzug in die Sammlung. Die Texte der Band Die Ärzte entwickelten sich im vergangenen Jahr zu einem der meistverkauften Reclam-Bände – noch vor Faust. Auch Tocotronic, Rio Reiser und Reinhard Mey erhielten eigene Bände. Für 2024 plant der Verlag zudem die Aufnahme von Herbert Grönemeyer und der verstorbenen Rosenstolz-Sängerin AnNa R. in sein Programm. Dieser Wandel spiegelt die wachsende Anerkennung von Songwriting als literarische Kunstform wider.

Jenseits Deutschlands vollzieht Michel Houellebecq einen eigenen kreativen Sprung. Bekannt für seine provokanten Romane, wird der französische Schriftsteller in diesem Jahr ein Album veröffentlichen. Eine Tournee ist ebenfalls geplant, wenn auch noch wenig Details bekannt sind.

Reclams Entscheidung, Songtexte neben klassischer Literatur zu publizieren, unterstreicht deren kulturelles Gewicht. Die kommenden Bände werden künftig neben Goethe stehen, während Houellebecqs musikalisches Projekt seiner öffentlichen Person eine weitere Facette verleiht. Beide Entwicklungen zeigen, wie geschriebene und performte Worte im modernen Verlagswesen weiterhin neue Formen annehmen.