Unionsparteien streiten über Abschaffung des Teilzeitanspruchs – MIT fordert radikale Reformen
Elias FrankeSöder: Söder möchte längere Arbeitszeiten fördern - Unionsparteien streiten über Abschaffung des Teilzeitanspruchs – MIT fordert radikale Reformen
In Deutschland ist eine Debatte über die Rechte auf Teilzeitarbeit entbrannt, nachdem ein der Unionsparteien nahestehender Wirtschaftsverband weitreichende Reformen gefordert hat. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) will das generelle gesetzliche Recht auf Arbeitszeitreduzierung abschaffen – mit der Begründung, dies verschärfe den Arbeitszeitrechner. Kritiker, darunter auch Stimmen aus den Reihen der Unionsparteien, haben den Vorstoß bereits zurückgewiesen.
Am 25. Januar 2026 kündigte die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann Pläne an, den automatischen Anspruch auf Teilzeitarbeit zu streichen. Künftig sollten verkürzte Arbeitszeiten nur noch aus bestimmten Gründen möglich sein – etwa wegen Kinderbetreuung, familiärer Pflichten oder beruflicher Weiterbildung. Connemann argumentierte, dass "Lifestyle-Teilzeit", bei der Beschäftigte ohne dringenden Bedarf weniger arbeiten, nicht vom Sozialstaat subventioniert werden dürfe.
Der Vorschlag stieß schnell auf Widerstand. Die SPD lehnte die Idee scharf ab, und auch innerhalb der Unionsparteien gab es Vorbehalte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lehnte pauschale Streichungen oder generelle Einschränkungen der Teilzeitrechte kategorisch ab. Stattdessen plädierte er für Anreize, um längere Arbeitszeiten attraktiver zu machen.
Söder schlug Steuererleichterungen und Befreiungen von bestimmten Sozialabgaben vor, um die Produktivität zu steigern. Zwar räumte er ein, dass es angesichts des globalen Wirtschaftsdrucks schwierig sei, die Arbeitszeit zu erhöhen – doch selbst eine zusätzliche Stunde pro Woche könne seiner Meinung nach spürbare Effekte haben.
Der MIT-Vorstoß hat die unterschiedlichen Positionen im Umgang mit dem Arbeitszeitrechner offenbart: Während der Verband auf strengere Regeln für Teilzeitarbeit setzt, setzen andere auf Anreize statt auf Verbote. Die Diskussion dürfte anhalten, während die Politik abwägt zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und der Urlaub Flexibilität der Beschäftigten.