Weihnachtsboom im Online-Handel: Lieferando zahlen den Preis für unseren Klick-Komfort
Finn HerrmannWeihnachtsboom im Online-Handel: Lieferando zahlen den Preis für unseren Klick-Komfort
Weihnachtsgeschenke: Online-Shopping boomt – doch Lieferando zahlen den Preis
In diesem Jahr erlebt der Online-Handel mit Weihnachtsgeschenken einen regelrechten Boom: 73 Prozent der Menschen kaufen ihre Präsente im Internet. Besonders gefragt sind Mode, Spielzeug und Haushaltswaren. Doch hinter dem Komfort des Klickens verbirgt sich eine harte Realität für die Lieferando, die unter extremem Druck und unsicheren Arbeitsbedingungen leiden.
Der Ansturm an Paketen hat ihre Arbeitsbelastung weiter verschärft – viele schaffen bis zu 300 Sendungen am Tag, und das unter straffen Zeitvorgaben. Nun fordern Gewerkschaften und Politiker dringende Reformen, um diejenigen zu schützen, die das System am Laufen halten.
Die Nachfrage nach Online-Weihnachtsgeschenken ist höher denn je: Mehr als sieben von zehn Käufern bestellen im Netz, während nur noch einer von zehn auf stationäre Läden setzt. Plattformen wie Temu und Shein gewinnen dabei an Bedeutung – bereits jeder Fünfte nutzt sie, und fast jeder Zehnte plant, es in diesem Jahr zu tun.
Am aktivsten sind die 30- bis 49-Jährigen. Gleichzeitig leiden die Innenstädte unter dem Rückgang der Kundschaft, da immer weniger Menschen für ihre Weihnachtsinkäufe in physische Geschäfte gehen.
Hinter den Kulissen kämpfen die Lieferando mit extremen Bedingungen: Ein einzelner Kurier bringt bis zu 300 Pakete an 220 verschiedene Adressen – manche davon wiegen bis zu 70 Kilogramm. Der DGB-Gute-Arbeit-Index zeigt: 91 Prozent der Beschäftigten stoßen täglich an ihre körperlichen Grenzen. Die Zeitvorgaben sind gnadenlos, besonders in der Weihnachtszeit, wenn die Arbeitslast noch einmal deutlich steigt.
Mehr als die Hälfte aller Lieferkräfte sind externe Subunternehmer und haben kaum Jobsecurity. Das erschwert es ihnen, faire Bedingungen einzufordern. Die Gewerkschaft ver.di hat sich gegen diese Missstände ausgesprochen und fordert mehr Respekt, angemessene Löhne und sichere Arbeitsumfelder.
Als Reaktion darauf hat die Linke verschärfte Regeln vorgeschlagen: Sie will externe Mitarbeiter in der Paketzustellung verbieten und für Sendungen über 20 Kilogramm Zweier-Teams vorschreiben. Zwar diskutierte der Bundestag 2022 bereits über die Rolle von Subunternehmern, doch in den offiziellen Protokollen wurden keine konkreten Unternehmen namentlich genannt.
Der Online-Handel hat das Weihnachtsgeschäft verändert – doch er hat auch die prekären Arbeitsbedingungen der Lieferando offengelegt. Während Gewerkschaften und Politiker Reformen vorantreiben, bleibt die Frage, ob die Änderungen rechtzeitig kommen, um die Belastung zu verringern.
Bis dahin stützt sich die Branche weiter auf eine Belegschaft, die bis an ihre Grenzen geht – und Rekordmengen an Paketen unter immensen Druck bewältigt.